Haifa und das Meer

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Israel ist im Prinzip ein dünner Streifen Land, mit einem sehr langen Küstenstreifen. Das Meer ist also niemals weit weg, und beeinflusst überall das Leben der Israelis. Für Haifa gilt dies nochal stärker. Was Deutsche und der Hof damit zu tun haben, erzähle ich euch in diesem Beitrag.

Eine deusche Kolonie

Obwohl bereits seit der Antike eine Siedlung im Bereich der heutigen Stadt Haifa existierte, war diese bis ins 19. Jahrhundert ziemlich unbedeutend. 1869 jedoch gründete eine deutsche Sekte, die Templergesellschaft, eine Kolonie in der Bucht von Haifa. Diese Templer (nicht zu verwechseln mit den Kreuzrittern) sahen die Entwicklung des "Heiligen Landes" als ihr höchstes Ziel an, und glaubten an eine unmittelbar bevorstehende Endzeit.

Die deutsche Kolonie bildet heute noch ein Herzstück Haifas. Im Gegensatz zu den verwinkelten und schmalen Straßen der restlichen Stadtteile, ist die deutsche Kolonie sehr durchgeplant und ordentlich - etwas klischeehaft, aber wahr. Heute bildet sie den ersten Anlaufpunkt für unternehmungslustige Touristen.

Einige "ordentliche" Häuser hätten allerdings kaum Haifa zu dem gemacht, was es heute ist. Entscheidend für die Entwickung der Stadt war die Errichtung des Hafens durch die Templer, und später die Anbindung an ein deutsch-osmanisches Eisenbahnprojekt.

Spätestens mit der Ankunft der großen jüdischen Auswanderungs- und Fluchtwellen im 20. Jahrhundert wurde Haifa zum wichtigsten Hafen Israels. Dieser Status hat sich bis heute erhalten. Jerusalem mag das spirituelle Zentrum sein, und Tel Aviv die Party-Hauptstadt, aber wirtschaftlich ist Haifa wohl am wichtigsten.

Auch die israelische Marine unterhält hier einen Stützpunkt. Vor einigen Tagen konnte ich im Hafen sogar eines der israelischen Atom-U-Boote beobachten.

Was hat ein Hof damit zu tun?

Der Hafen hier ist zwar wichtig, der Strand bzw. die Strände um Haifa sind jedoch für die Beziehung zwischen Haifa und dem Meer wahrscheinlich noch entscheidender.

Im hebräischen bedeutet "Strand" "Hof". Unser Tourguide in der ersten Seminarwoche hat uns sogar erzählt, das der Name der Stadt eventuell von diesem Wort abgeleitet wurde. "Hof" und "Haifa" klingt für mich tatsächlich auch sehr ähnlich...

Wie auch immer, die Strände sind jedenfalls fantastisch. Das Wasser ist schön warm, und meistens gibt es richtig starken Wellengang. Für mich, bisher eher wasserscheu, war der erste Strandbesuch eine Offenbarung. Endlich verstehe ich, was alle so toll am Meer finden. Die Nordsee ist da kein Vergleich.

Zum Glück ist auch noch genug Platz für alle da, sodass es selbst in der größten Hitze weniger Gedränge gibt als in einem deutscheen Freibad.

Und schön sieht es auch noch aus!

Zu guter Letzt: Der Ausblick vom Carmel-Berg auf Haifa wäre nur halb so fantastisch, wenn nicht ständig ein Schwarm Schiffe um den Hafen dümpeln würde, sich abends die Sonne im Meer spiegelt und nachts die erleuchteten Hafenkräne aufragen würden.

Das Meer ist Teil dieser Stadt, vielleicht sogar der beste.