Goodbye Israel

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Nach einem Jahr werde ich zum 30.08. Israel wieder verlassen. 12 Monate fühlen sich im Rückblick verdammt kurz an. Dennoch fühle ich mich mittlerweile sehr zu Hause hier.Mein Zimmer, der Ausblick auf Haifa von der Louis-Promenade, meine Kollegen und Mitfreiwilligen werde ich sehr vermissen. Ich bin an meinem Auslandsjahr gewachsen, und ich werde meine Zeit hier immer gut in Erinnerung haben. Trotzdem freue ich mich auch darauf mein Studium zu beginnen und andere Ecken der Erde kennenzulernen.

Ein paar Bilder zum Abschluss

Vor meiner Abreise habe ich mir die letzte Woche freigenommen und eine letzte Rundreise gemacht, unter anderem nach Akko und Tel  Aviv. Hier sind meine letzten Bilder aus Israel.

Ein Fazit

Ein Fazit über Israel kann ich nicht ziehen. Dazu ist dieses Land zu bunt und zerrissen zwischen Schönheit und Hässlichkeit, Gewalt und Frieden, fundamentalen Religionen und sekulären Strömungen, dutzenden Ethnien etc. Ich habe das Gefühl weniger über Israel zu wissen als bei meiner Ankunft, weil ich bei meiner Ankunft halt nicht einmal von den Sachen gehört habe, von denen ich jetzt weiß dass ich sie nicht kenne!

Ich beschränke mich also auf meinen persönlichen Aufenthalt hier, und der war einfach nahezu vorbehaltlos gut. Ich hatte eine wahnsinnig schöne, spannende, interessante Zeit hier. Ich bin dankbar für meinen Aufenthalt hier. An dieser Stelle nochmals auch vielen Dank allen die mich unterstützt haben, als Spender für das DRK oder mit Paketen.

Auf Wiedersehen Israel!

להתראות ישראל!

Sederabend, Yom HaAtzmaut und Abschlussfilme

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Es ist schon wieder einen Monat her dass ich etwas geschrieben habe. Macht euch aber keine Sorgen, gut gehts mir immer noch hier.

In der Zwischenzeit habe ich an Pessach am Sederabend einer israelischen Familie teilgenommen. Mein Chef Amir hat mich freundlicherweise zu seiner Familienfeier im Haus seiner Eltern eingeladen. Der Sederabend ist der Höhepunkt des Pessach-Festes und fällt mit Karfreitag zusammen. An Pessach gedenken Juden dem Auszug aus Ägypten. Unter anderem sollte man in der Pessach-Woche nur ungesäuertes Brot essen, sogenannte Matze. Leider dürfen gläubige Juden nur in Läden einkaufen in denen auch nichts gesäuertes verkauft wird, deshalb waren bei uns im Supermarkt die Brotecke und das Nudelregal abgesperrt. Zum Glück gibt es bei mir um die Ecke noch einen kleinen Araber dem die jüdischen Vorschriften egal sind, sodass ich mich nicht nur von Knäckebrot ernähren musste. Diese Regel, die leider ja nicht nur Juden betrifft sondern auch andere am Brotkauf hindert, ist ein weiteres Beispiel für die vielen Konflikte die zwischen religiösen, und säkulären oder nicht-jüdischen Israelis zur Stande kommen.

Der Sederabend

Am Sederabend habe ich zuerst die große und bunte Familie Amirs kennengelernt. Auf der Feier waren viele Kinder, und ständig ist jemand ddurch die Gegend gerannt. Ich bin wie immer sehr dankbar dass eine Familie mich an ihrer Feier hat teilnehmen lassen, wie schon an Rosh HaShanah. Amirs Familie ist nicht wirklich religiös, aber achtet trotzdem die Traditionen. Es gibt ein spezielles Ritual am Sederabend, in dem für die Kinder der Auszug Ägyptens nacherzählt wird,  seit 2000 Jahren auf dieselbe Weise. Währenddessen werden mehrere symbolische Speisen verzehrt, unter anderem Eier, Matze und bittere Kräuter. Aber wie gesagt, Amirs Familie ist nicht wirklich religiös, deswegen hatte jeder dritte keinen Appetit auf Eier und die Erzählung wurde nach der Hälfte abgebrochen weil die Kinder unruhig wurden. Was ich gesehen habe war trotzdem interessant.

Eine Vorschrift die wir eingehalten haben war das trinken von vier Gläsern Wein, vielleicht auch etwas mehr. Leider hat Amirs Stiefmutter nach dem Whiskey angefangen mir einige sehr krude politische Thesen über die EU, Merkel und Flüchtlinge zu erzählen, und weil sie nun mal die Stiefmutter meines Chefs war und eigentlich vorher sehr nett konnte ich nicht viel mehr machen als höflich "I disagree" zu sagen. Amirs Nichte hat mir nachher erzählt dass der Rest der Familie mir amüsiert vom Sofa aus zugesehen hat und ihre Diskussionen schon selbst kannte, was mir dann ein kleiner Trost war. Abgesehen davon war der Abend aber sehr nett und alle sehr freundlich. Und das Essen war fantastisch. "Gefüllte Fisch", ein Fisch gefüllt mit püriertem Fisch klingt etwas abstoßend, war aber erstaunlich lecker. Lustigerweise wusste außer Amirs Vater niemand was "Gefüllte Fisch" eigentlich heißt. Die Ähnlichkeit zwischen Yiddisch und Deutsch erstaunt mich immer wieder.

Unabhängigkeitstag

Diesen Monat ist Israel 70 Jahre alt geworden, und am Unabhängigkeitstag war ich zusammen mit einer israelischen Bekannten in Tel Aviv. Viele Straßen waren gesperrt, es gab ein Feuerwerk und jeder ist in Blau-Weiß durch die Gegend gelaufen - aus unerfindlichen Gründen hatten viele Kinder aufblasbare Hammer in Israel-Farben. Ich fand es sehr interessant die Feier zu beobachten, fühle mich von diesem Nationalismus und Patriotismus aber immer zu sehr abgestoßen um wirklich zu feiern. Ich bin sehr froh dass wir so etwas in Deutschland nicht haben. Wenn es einen Staat gibt in dem ich Patriotismus nachvollziehen kann ist es aber denke ich Israel.

Auf der Arbeit sind die Schüler aus dem Jahrgang 12 gerade mit ihren Abschlussfilmen beschäftigt. Nächste Woche findet unser nächstes Seminar statt, und diesen Monat kommt mich auch meine Familie besuchen, worauf ich mich sehr freue. Liebe Grüße aus Haifa!

Seminar first, Totes Meer second

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Diesen Monat fand mein viertes (glaube ich) Freiwilligen-Seminar in Israel statt. Wie schon in Jerusalem ging es um das Thema Shoa, diesmal allerdings wieder drei Tage lang. Ich habe das Gefühl über dieses Thema schon sehr viel geschrieben zu haben, deshalb möchte ich nur zwei besonders interessante Episoden des Seminars beschreiben. Am Wochenende danach hatte ich das Glück von jemandem mit Führerschein und Fahrzeug mit zum Toten Meer genommen zu werden,  und der Unterschied zwischen Haifa und Ein Gedi ist gewaltig!

Ich treffe eine Zeitzeugin

Obwohl ich in Deutschland schon jemanden aus der sogenannten "zweiten Generation" (also die Kinder der Holocaust-Überlebenden) getroffen habe, und in Israel fast jeder Vorfahren im Holocaust hatte, bin ich bisher noch niemandem begegnet der diese schlimme Zeit persönlich erlebt hat. Ich denke solange wir noch die Möglichkeit haben, sollten so viele Menschen wie möglich denen  zuhören, die den Mut haben über ihre Erlebnisse zu erzählen. Die Menschen fangen ja jetzt schon an zu vergessen, und es gibt kein besseres Gegenmittel als die Geschichten der Überlebenden weiterzutragen.

Orthodoxe Welt

Wir hatten noch viele andere Vorträge und Ausflüge, den größten Eindruck hinterlassen hat aber ein orthodoxer Jude, der uns über das orthodoxe Verständnis des Holocaust aufgeklärt hat - und das ist, gerade für einen Deutschen, eine sehr schockierende Sichtweise. Für orthodoxe Juden war die Shoa Teil von Gottes Plan, und obwohl Gottes Wege unerklärlich sind, nehmen viele an dass der Holocaust eine Strafe war für die Fehler der Juden in Europa. Als säkulärer Mensch ist diese Sichtweise nahezu unerträglich. Wir haben in der Schule gelernt wie egal den Nazis war was man gemacht hat, solange man Jude war. Wir wissen von den Millionen Kindern, die gar nicht die Gelegenheit hatten an irgendetwas Schuld zu sein. Aber im Judentum gibt es die Regel, dass für deine Taten deine Kinder und Nachbarn leiden werden. Diese Regel entspricht in etwa dem christlichen Prinzip der Erbsünde (jetzt bringt mir meine Klosterschule mal was). Aber ein derart radikales Gottvertrauen, das selbst die Ermordung von 6 Millionen Menschen Teil von Gottes Plan ist, und Kinder, Sinti und Roma, Behinderte und Dissidenten alle Opfer irgendeiner Schuld der Juden sind... das ist ein erschreckender Gedanke. Mir wird immer klarer dass orthodoxe (und erst recht ultraorthodoxe) Juden in einer ganz anderen Welt leben. Aber aus einer solchen Weltsicht erklärt sich auch weshalb die Religiösen in Israel Läden am Shabbat zwingen wollen zu schließen. Ein säkulärer Bewohner denkt,"Was geht dich dass an ob ich am Samstag einkaufen gehe?!? ", aber für einen orthodoxen fällt dieser "Fehler" früher oder später auf alle Juden zurück. Kein Wunder dass es hier so viele Konflikte zwischen Religiösen und Säkulären gibt, diese zwei Welten sind glaube ich nahezu unvereinbar.

Ein Gedi

In dieser Woche war auch Michele bei uns im Rutenberg zu Gast. Sie kommt aus Deutschland und hat in einem Privatulpan bei uns hebräisch gelernt. Freundlicherweise hat sie mir angeboten mich mit ihrem Mietwagen mit zum Toten Meer zu nehmen, sodass ich zum ersten Mal an einem Shabbat reisen konnte. So leer habe ich die Autobahnen noch nie gesehen, die einzigen waren wir aber nicht. Zuerst sind wir nach Ein Gedi gefahren, ein Kibbutz direkt am Meer das berühmt ist für seine grünen Wadis, in denen Wasserfälle die Pflanzen am Leben halten. Zusammen sind wir entlang des Wasserlaufs durch den Nationalpark gewandert. Nach dem höchsten der drei Fälle hatten wir die meisten Besucher hinter uns gelassen, und erreichten die felsigen Pfade über dem begrünten Wadi. Ich war das erstemal südlich von Jerusalem, und der Unterschied zu Nord-Israel ist atemberaubend. Während bei uns Wälder und Gestrüpp die rundlichen Hügel überziehen, sieht die Wüste am Toten Meer aus wie eine Mondlandschaft. Felsig, rötlich, meistens kahl, und sehr abrupt . Und dabei liegt das meiste unter dem Meeresspiegel!

Nach ungefähr drei Stunden Wanderung hatten wir das Wadi umrundet. Leider waren wir zu spät da um noch auf die antike Festung Massada zu kommen. Wenn ich das nächste Mal dort bin ist das aber mein Topziel. Den Rest des Tages haben wir dann am Strand verbracht, und das Wasser ist wirklich ulkig. Jeder planscht wie eine Ente durch das Wasser und versucht nicht seine Augen zu bewässern. Auf der Haut spürt das Salzwasser sich irgendwie seifig an. Länger als 30 Minuten sollte man nicht im Wasser sein, deshalb bin ich zweimal ins Wasser.

Dieser Ausflug war sehr interessant, und ich bin sehr dankbar das Michele mich mitgenommen hat. So oft hat man als Volontär schließlich keinen  Mietwagen...

Dieses Wochenende wird hier Pessach gefeiert. Hag sameach, und frohe Ostern allen in Deutschland!

Mein Zwischenbericht für das DRK

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Anfang diesen Monats ist ganz leise mein Halbjahres-Jubiläum in Israel vergangen. Die Zeit scheint hier nur so zu fliegen, was einerseits ein gutes Zeichen und andererseits etwas schade ist. Wie man wohl auch aus meinen bisherigen Beiträgen herauslesen konnte bin ich mit meinem Einsatz hier sehr glücklich. Eigentlich will ich gar nicht daran denken dass meine Ausreise nun schon näher liegt als meine Ankunft! Damit ich nicht erst Anfang August meinen Rückflug buche habe ich aber ja zum Glück meine Eltern - und das DRK.

Groundcontrol an Major Tom

Durch die uendlichen Weiten des Internets hat mich in dieser fremdartigen Umgebung eine elektronische Botschaft erreicht mit der Bitte um Rückmeldung... (Ab jetzt ohne Sci-Fi Vibe). Meine fantastische Trägerorganisation, das Deutsche Rote Kreuz, hat uns Freiwillige gebeten bis zum 19.3. einen Zwischenbericht zu verfassen. Ich habe ja jetzt schon etwas Übung im schreiben, nur das anfangen muss ich noch hinkriegen. Einige der Zwischenberichte sollen dann später auf der Website des DRK veröffentlicht werden, ich werde meinen Betrag aber wahrscheinlich auch hier online stellen. Mein Zwischenbericht soll etwas länger sein als ein normaler Blogeintrag und wohl das ganze halbe Jahr abdecken.

Ich glaube es könnte ganz interessant werden einen so anderen Text zu verfassen. Mir fällt es in letzter Zeit wirklich schwer Themen für meine "normalen" Texte zu finden, vielleicht sehe ich ja mit einem umfassenderen Artikel selber wieder wie facettenreich Israel ist. Wahrscheinlich bin ich gerade einfach zu sehr hier zu Hause um viele Besonderheiten überhaupt wahrzunehmen. Jedesmal wenn ich Gäste aus Deutschland treffe fällt mir etwas absolut israelisches an meinem Verhalten auf, dass ich unbewusst übernommen habe. Ich ertappe mich immer wieder dabei für jede Tasse Tee einen Pappbecher zu benutzen, obwohl wir 20 Tassen im Schrank stehen haben.

Spendenzwischenstand

Auch das DRK hat mir jedoch einen Zwischenbericht geschickt: Wie ihr vielleicht noch wisst wird von uns Freiwilligen erwartet dass wir einen kleinen Spendenkreis aufbauen, der 100 Euro im Monat aufbringen sollte. Ich habe bisher durch meine großzügigen Unterstützer 385 Euro gesammelt. Vielen Dank an jeden Spender der mein Freiwilliges Jahr unterstützt und damit sicherstellt, dass auch im nächsten Jahr ein Freiwilliger im Beit Rutenberg arbeiten kann! Ihr seid super!

Zu den angepeilten 100 Euro pro Monat fehlt aber leider noch ein Stückchen. Wenn ihr meinen Auslandseinsatz unterstützen wollt und zum Fortbestehen dieses großartigen Programms beitragen möchtet, würde ich mich sehr freuen wenn auch ihr euch meinem Spenderkreis anschließt. Jeder Beitrag hilft, auch eine einmalige Spende ist willkommen!

Inhaber: DRK Soziale Freiwilligendienste MV

BIC:  NOLADE21LWL (Sparkasse Mecklenburg-Schwerin)

IBAN: DE82140520001713849590

Verwendungszweck: Spende, eingeworben durch Linus Wedding

WICHTIG: beim Verwendungszweck muss klar sein dass die Überweisung eine Spende ist, und dass ihr zu meinem Spendenkreis gehört. Das DRK hat auch einige nicht zuordbare Spenden ohne Namen erhalten. Falls ihr schon etwas gespendet hat und euch nicht mehr sicher seid ob ihr alles richtig angegeben habt, wendet euch bitte im Zweifel an mich damit eure Spenden nachträglich zugeordnet werden können.

Allen jetzigen und zukünftigen Spendern: Vielen Dank. Ohne euch wäre ein Freiwilligendienst undenkbar, ihr seid mindestens so wichtig wie wir Freiwilligen selbst.

Tech-Support, (nochmal) Yad Vashem und Karneval

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Mittlerweile habe ich mich so sehr eingelebt in meiner Arbeitsstelle, dem Beit Rutenberg, dass die Zeit hier nur so zu fliegen scheint und ich gar nicht mehr hinterherkomme, wieviele Monate ich denn nun eigentlich schon hier bin (5). In gleichem Maße scheint sich leider auch der Veröffentlichungs-Zyklus meines Blogs zu strecken... Jetzt halte ich endlich wieder mal inne und berichte euch, was in den letzten Wochen so bei mir los war.

Ein Tag in Jerusalem

Ende Januar waren wir mit allen Rutenberg-Freiwilligen auf einem Tagesseminar in Jerusalem. Inhalt des Seminars war ein Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Obwohl ich dort ja schon kurz nach Weihnachten mit Freunden aus Gilo gewesen war, bin ich doch froh die Gedenkstätte nochmal mit einer Führung besucht zu haben. Alleine kann man sich zwar mehr auf Aspekte der Shoa fokussieren, die man gerade interessant findet, aber unsere Gruppenleiterin hat uns einen sehr guten Gesamtüberblick gegeben und vorallemdingen auf die dutzenden Symbole der Gedenkstätte aufmerksam gemacht. Gerade beim ersten Besuch ist man derart überwältigt von so viel Schrecken, dass man für solche Feinheiten keinen Kopf hat.

"Yad Vashem" bedeutet wörtlich übersetzt "Hand und Name". In Anlehnung an Jesaja 56,5 wird so die Hauptaufgabe der Einrichtung charakterisiert: den Opfern der Shoa ihre Identität wiederzugeben und ihre Namen in Erinnerung zu halten.

Denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; das ist besser als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll (Jes 56,5)

Mein erster Einsatz als Techsupport

Ich habe in den vergangenen Monaten ab und zu Kontakt zu einem ehemaligen Mitarbeiter des Beit Rutenberg gehabt, der ursprünglich aus dem Saarland kommt und nun als Pensionär mit seiner Frau in Haifa lebt. Mein Bekannter ist nun letztens umgezogen und hat mich gebeten ihm nach seinem Umzug beim Wiederaufbau seines Computers zu helfen. Gegen ein leckeres Essen habe ich natürlich kein Problem damit ein paar Kabel einzustecken.

Am nächsten Tag hat mein Bekannter jedoch seine Boxen umgebaut, und ich musste ihm per Telefon erklären wie man an seinem PC wieder zu den eingebauten Boxen wechselt... Ich habe seither nichts als Bewunderung für Mitarbeiter im Tech-Support übrig, die den ganzen Tag Leuten erklären "wo denn das WLAN-Kabel ist" und mit welcher Maustaste man wohin klickt. Lustig war es trotzdem, und das Essen war sehr lecker, ich beschwere mich also nicht.

Frühling...?

Nach den Regenströmen im Januar, auf die sich Haifa israeli-style vorbereitet hat (gar nicht, alle Straßen waren überschwemmt), zeigt sich jetzt wieder die Sonne und die Vögel zwitschern wieder. So ganz traue ich dem aber Frühling noch nicht, immerhin ist es Anfang Februar, da sind 20 Grad einfach trotz Gegenbeweis nicht vorstellbar für mich.

An meine Leser in Deutschland: Helau! Das jüdische Karnevalsfest, Purim, beginnt erst am 28. Februar, ich habe euch gegenüber also erstmal etwas aufzuholen...

Besser spät als nie… Wie habe ich eigentlich Weihnachten gefeiert?

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Es ist mir beinahe etwas peinlich diesen Artikel über mein Weihnachten erst so spät zu veröffentlichen, aber die letzten Wochen war ich leider wirklich gut darin meinen Zeitplan mit anderen Sachen als schreiben vollzustopfen. Einigermaßen regelmässig schreiben klingt einfacher als es ist...

Trotzdem möchte ich meine Weihnachtsfeier nicht aussparen, immerhin bin ich gerade im "Heiligen Land". Und ich halte für berichtenswert, wie unterschiedliche Mauern ich gesehen habe und warum ich gerade an diesem Fest zu einer Lüge greifen musste...

Ich belüge meine Familie...

Im Vorfeld habe ich meiner Familie erzählt, dass eine WG mich und andere Freiwillige zu einer kleinen Weihnachtsfeier eingeladen hat (an dieser Stelle nochmal vielen Dank dafür). Wir haben jeder eine Kleinigkeit zu Essen vorbereitet, und uns auf einen gemütlichen Weihnachtsabend vorbereitet. Die Lüge: Eingeladen hat uns die WG in Gilo, einer israelischen Siedlung außerhalb Jerusalems, 20 Minuten von Betlehem entfernt. Meiner Familie habe ich gesagt, wir würden in Tel Aviv feiern. Also - Warum?

Die grundlegende Ursache ist auch hier mal wieder die sehr voneinander abweichende Wahrnehmung Israels, genauer gesagt des Nahost-Konflikts. Am 21. Dezember hatte eine radikale Palästinensergruppe als Reaktion auf Donald Trumps "great idea" bezüglich der Anerkennung Jerusalems einen weiteren "Tag des Zorns" ausgerufen. An den vorhergehenden drei dieser Tage hatte es Demonstrationen und Ausschreitungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gegeben, bei denen mehrere Demonstranten getötet und israelische Soldaten verwundet wurden. In Deutschland in den Nachrichten sieht und hört man in solchen Zeiten in Bezug auf Israel dann bloß von solchen drastischen Ereignissen.

Im Gegensatz dazu sind wir Freiwilligen eher unbeeinflusst von den Protesten.Da kann man schon mal eben rüber ins Westjordanland, weil das Gemüse dort billiger ist, was bei manchen in Deutschland als Leichtsinn aufgefasst würde.

Ich bin mir nun ziemlich sicher dass meine Eltern keine ruhige Minute gehabt hätten, wennich ihnen gesagt hätte, dass die Mauer zu Betlehem ein paar hundert Meter entfernt ist. Gleichzeitig denke ich aber, dass ich und die meisten anderen Volontäre mittlerweile ein sehr gutes Gespür dafür haben, welche Situation brenzlig ist und was in Ordnung, und Betlehem an Weihnachten sollte kein Problem sein. Also habe ich meine Eltern belogen, und erst als ich wieder im "sicheren" Haifa war gebeichtet.

Just another brick in this wall

Tatsächlich war mein Weihnachtsbesuch in Jerusalem gleichzeitig mein erster Besuch in Jerusalem. Weihnachten ist sicherlich kein schlechter Zeitpunkt, um die Heilige Stadt im Heiligen Land zu besuchen. Gilo, wo ich eingeladen war, liegt quasi direkt neben Betlehem. Die WG dort ist wirklich schön, mit einer zumindest spektakulären Sicht auf die Mauer. Es war super nett von den Freiwilligen dort uns alle einzuladen, wodurch wir mit einer netten Gruppe von ca. 10 Leuten feiern konnten. Nochmal, vielen Dank.

Am späten Nachmittag wanderten wir rüber nach Betlehem. Die Mauer zwischen Israel und der Westbank ist... beklemmend. Gerade, weil sie der zwischen West- und Ostdeutschland nicht so unähnlich sieht. Nach Betlehem rein kommt man aber sowieso ohne Probleme. Direkt hinter dem Eingang wartet eine große Gruppe Händler und Taxifahrer auf Touristen, und dieser anfängliche Schwall wäre alleine ziemlich lästig. Mit unserer Gruppe sind wir aber einfach stoisch geradeaus gelaufen, an der Mauer entlang. Mehrere Künstler und Aktivisten haben sich an diesem Stück Beton ausgetobt, beispielsweise Banksy mit seinem "Walled Off Hotel". Gerade im Kontext des Weihnachtsfests ist die Mauer verdammt ironisch.

Unsere Gastgeber aus Gilo haben uns zum Laden eines Freundes dort geführt. Normalerweise ist Weihnachten die Haupt-Zeit für die Geschäfte in Betlehem, da Pilgerer aus aller Welt in die Stadt strömen. Die Eskalationen zwischen Radikalen und Soldaten haben die Stadt jedoch beinahe leer gefegt, und die Händler vor Ort verpassen ihre größte Einnahmequelle. Der Ladenbesitzer erzählte uns, dass sonst die ganzen Straßen vollgestopft seien mit Besuchern. Uns sind auf dort jedoch leider nur vereinzelt andere Ausländer begegnet.

Frohe Nacht, heilige Nacht...

Wir sind an diesem Abend sogar in zwei Messen gegangen. Zuerst haben wir den Anfang einer Messe arabischer Christen besucht. Ich bin mir ziemlich sicher dass die Gemeinde katholisch war, da mir der Messablauf bekannt war. Es war faszinierend zu sehen, dass der gleiche Ablauf in so ganz anderen Umständen auch eingehalten wird. Von uns konnte jedoch keiner wirklich arabisch, deshalb sind wir nach einer Weile weiter zur internationalen Messe gegangen. Dort waren fast alle Besucher aus dem Ausland, und mehrere evangelische Kirchen haben zusammen die Messe gehalten. Der Priester hat mehr oder weniger erfolgreich versucht die römische Besatzung zur Zeit Jesu mit dem Nahostkonflikt in Verbindung zu bringen, hat es sich meiner Meinung nach aber etwas zu einfach gemacht. Zufälligerweise habe ich dort auch eine Gruppe französischer Freiwilliger aus Melanies WG getroffen.

Nach der Messe sind wir auf den Weihnachtsmarkt in Betlehem gegangen. Das war so ziemlich das weihnachtlichste an diesem Tag, mit Straßenbeleuchtung, Crepe und einem gigantischen, unfassbar hässlichen Weihnachtsbaum in der Mitte des Platzes. Sogar kalt wurde es, man spürt doch den Höhenunterschied zu Haifa. Auf dem ganzen Platz haben kleine Kinder versucht einem Schokoriegel anzudrehen, und aus irgendeinem Grund lief jemand als Milchpackung verkleidet durch die Menge. Das letzte war etwas random.

Feier in Gilo

Auf dem Rückweg habe ich mir noch einen schönen, schwarzen Schal gekauft, dann ging es wieder auf die Mauer zu. Doch schon vor der Mauer begegneten uns einige israelische Soldaten, die eine Straße absperrten. Glücklicherweise passierte aber nicht viel mehr, und so kamen wir zum Checkpoint. Da die Mauer ja eher Leute in der Westbank halten will, ist die Ausreise eher ein Problem als reinzukommen. Wir sahen allerdings westlich genug aus um einfach durchgewunken zu werden, sodass wir noch nichtmal unsere Pässe zeigen mussten. Trotzdem war der Checkpoint bedrohlich, die Laufgänge über unseren Köpfen und scharfen Kontrollen am Metalldetektor lassen schlechtes erahnen für den Fall einer Eskalation. Im Kontrast gab es aber für jeden von uns eine Schokoladentüte, gesponsort vom israelischen Touristenministerium. Pilgerer sind für Israelis und Palästinenser wichtig, deshalb war ich mir auch sicher das in Betlehem fast jeder ruhig bleiben würde, trotz Trump und Co.

Mit unserer Gruppe hatten wir dann in der WG ein gemütliches Abendessen. Da mehrere Leute vegetarisch oder vegan waren, war fast jede Speise vegan. Mein Fleischkonsum hat sich hier allerdings swieso derart verringert dass es mir gar nicht aufgefallen ist. Das Essen war ausnahmslos sehr lecker, am meisten in Erinnerung sind mir die Blätterteigtaschen und ein veganes Mett geblieben. Das Mett war lecker, aber (tut mir leid Julian) man schmeckt natürlich dass es kein Fleisch ist.

Jerusalem, Yad Vashem included

Ich hatte mir die ganze Woche freigenommen und vor, noch etwas länger zu bleiben. Am nächsten Tag waren auch die meisten anderen noch da, und so sind wir noch nach Jerusalem gefahren und haben das arabische Viertel und die Klagemauer besucht. Ich weiß nicht was ich erwartet habe, aber trotz seiner Heiligkeit wirkte die Mauer mit dem Felsendom im Hintergrund etwas profan. Rein physisch ist das schließlich nicht viel anders als jede andere alte Ruine hier, und davon gibt es ja eine Menge. Trotzdem war es beeindrucken an einem Ort zu sein, auf den die Aufmerksamkeit dreier Weltreligionen fokussiert ist. Betlehem, Klagemauer, Felsendom in zwei Tagen...

Am nächsten Tag bin ich mit meinem Gastgeber Julian und seiner Freundin noch nach Yad Vashem gefahren. Ich denke jeder (gerade als Deutscher) hat davon gehört, aber zur Sicherheit nochmal: Yad Vashem ist die Shoa-Gedenkstätte. Es ist sicherlich kein erheiterndes Erlebnis, dieses unfassbare Verbrechen derart detailliert aufgearbeitet zu sehen, in einen Raum voller ausgelöschter Namen zu treten, oder die Kerzenflammen im Kinderdenkmal zu sehen. Aber alles andere würde diesem Ereignis wohl nicht gerecht werden,und ich denke jeder sollte in Jerusalem auch Yad Vashem besuchen.

So habe ich also Weihnachten gefeiert. Weil aller guten Dinge drei sind, nochmal danke an meine Gastgeber. Es war sehr schön in dieser Gruppe zu feiern, und interessant genau an dem Ort zu sein, an dem die gefeierten Ereignisse wahrscheinlich stattfanden.

Der Elefant im Raum – Der Nahostkonflikt

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Es ist schon wieder etwas Zeit vergangen seit US-Präsident Donald Trump mit seiner unerwarteten Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels den Nahostkonflikt wieder in den Mittelpunkt der globalen Aufmerksamkeit katapultiert hat. Zumindest kurzfristig, auch dieses Jahr war schließlich leider nicht arm an schrillen Ereignissen.

Nachdem sich die unmittelbare Aufregung verzogen hat, möchte auch ich mir ein paar Gedanken zu diesem unfassbar komplexen, polarisierenden und ambivalenten Konflikt machen.

Eine kurze Zusammenfassung

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde in den jüdischen Gemeinden Europas, die durch Antisemitismus und Rassismus immer stärker unter Druck gerieten, die Idee des Zionismus populär: Die Gründung eines jüdischen Staates im Gebiet des Heiligen Landes. Diese Gegend lag damals im Hoheitsgebiet des Osmanischen Reiches und wurde größtenteils von Arabern bevölkert. Nachdem das Osmanische Reich im 1. Weltkrieg zerfiel, übernahmen die Briten durch ein Völkerbunds-Mandat die Herrschaft über die Levante. Im Rahmen der Balfour-Deklaration förderten die Briten die zionistische Bewegung und die Ansiedlung jüdischer Einwanderer. Anfangs standen sich Juden und Araber nicht feindselig gegenüber, da die Briten während des 1. Weltkriegs den Arabern schriftlich einen Großarabischen Staat zugesichert hatten, in dem die Juden weitreichende Autonomie erhalten sollten.

Als jedoch klar wurde, das Großbritannien sein Versprechen nicht halten werde, wurden die jüdischen Siedler als Verbündete des britischen Imperiums betrachtet. Sowohl Juden als auch Araber begannen daraufhin,  ihre jeweiligen Staatskonzepte als dediziert jüdisch beziehungsweise arabisch zu definieren und voneinander abzugrenzen. Leider beanspruchten beide Staaten den gleichen Platz, was nach dem 2. Weltkrieg und dem Ende des britischen Mandats in der Gründung Israels 1948 und dem damit beginnenden Nahostkonflikt gipfelte. Seitdem gab es mehrere Kriege und Aufstände zwischen Arabern und Juden.

Die verfahrene Situation heutzutage mit Israel, dem Westjordanland und dem Gaza-Streifen resultiert also aus einem sehr verworrenen, jahrzehntealten Konflikt. Ich habe mein bestes gegeben, die Hintergründe objektiv und kurz zusammenzufassen. Wer mehr erfahren möchte, dem rate ich dazu sich bei Wikipedia weiter zu informieren. Obwohl es nahezu unmöglich ist etwas über den Nahostkonflikt zu schreiben, ohne einer Seite auf die Füße zu treten, sind die Artikel zum Thema relativ unparteiisch. Schon diese Zusammenfassung ist ja eher chaotisch, und je mehr Einzelheiten man kennt, desto chaotischer wird das ganze...

Wie geht´s weiter?

Momentan gibt es auf beiden Seiten keine ernsthaften Bemühungen, den Konflikt zu lösen. Stattdessen hat man sich an eine konstante Spannung gewöhnt. Man muss den Tatsachen allerdings ins Auge sehen, je länger der gegenwärtige Zustand anhält, desto mehr verlieren die Palästinenser. Der illegale Siedlungsbau im Westjordanland unter Schutz der IDF (Israeli Defense Force) nimmt den Palästinensern mehr und mehr Autonomität, während gewaltsamer Protest und Anschläge das Ansehen Palästinas in der israelischen Bevölkerung weiter beschädigen. Fragwürdige Aktionen der IDF finden dagegen weniger Aufmerksamkeit. Auf lange Sicht kann Israel meiner Ansicht nach nur "gewinnen".

Die Ankündigung Jerusalems als Hauptstadt Israels fällt ebenfalls in diese Kategorie. Für die Israelis selbst war Trumps Entscheidung wohl am unwichtigsten. Schon lange sind alle wichtigen Regierungsinstitutionen in Jerusalem, ob Amerika diese Tatsache anerkennt ist für das Leben hier irrelevant. Für die Palästinenser hingegen ist diese Entscheidung ein ungeheurer Affront, der in gewaltsamen Protesten Ausdruck fand. Mehrere Demonstranten wurden bei Reaktionen der IDF getötet. Amerikas ohnehin beschädigter Anspruch, neutraler Vermittler zu sein, ist somit wohl endgültig im Eimer.

Die in Deutschland so beliebte Haltung: "Beide Seiten haben Mist gebaut, aber die Zweistaaten-Lösung ist das Beste für alle" wird hier übrigens Recht schnell als völlig illusorisch und ahnungslos entlarvt. Die Zweistaaten-Lösung klingt schön und wird deshalb gerne von westlichen Politikern zum Thema Nahostkonflikt zitiert. Tatsächlich gibt es jedoch weder in Israel noch in Palästina ansatzweise Bestrebungen oder Perspektiven für diese "Lösung". Israel wird niemals einen eigenständigen Staat Palästina dulden, und Palästina wird sich niemals mit einem Bruchteil ihrer ursprünglichen Heimat zu Frieden geben.

Ach ja? Und was dann, du Besserwisser?

Langfristig für am aussichtsreichsten halte ich tatsächlich diesen Vorschlag:

Auch dafür gibt es hohe Hürden. Die Idee eines palästinensischen Nationalstaats müsste aufgegeben werden. Israel hat zwar schon den Anspruch die Menschenrechte aller Einwohner zu wahren, momentan ist das allerdings mindestens für Araber in den Palästinensergebieten faktisch nicht der Fall. Neben der Einstellung von Praktiken, die grundlegende Menschenrechte verletzen, müsste Israel außerdem seine jüdische Identität von seinem Staat trennen. Man kann nicht allen Religionen gleiche Rechte geben wollen, und gleichzeitig eine zur Staatsreligion erklären.

Die Errichtung Israels als erklärt jüdischer Staat ist vor dem Hintergrund der Shoa verständlich und richtig gewesen. Unter den heutigen Bedingungen ist eine solche Ausrichtung aber mit einem demokratischen Staat unvereinbar und nicht mehr zeitgemäß.

Diese Grundvoraussetzungen klingen momentan leider genauso illusorisch wie die Zweistaaten-Lösung. Dennoch halte ich die Schaffung eines wirklich freiheitlichen, multikulturellen Staates für Araber und Juden für praktikabler und sinnvoller als eine Koexistenz Israels und Palästinas, auch weil ein Einheitsstaat beiden Seiten nützt. Israelis könnten ihrem Anspruch, die einzige Demokratie im Nahen Osten zu sein, endlich absolut gerecht werden, während Palästinenser nicht mehr unter massiven Rechtsverletzungen und wesentlich schlechteren Lebensbedingungen leiden müssten.

Entwurf einer arabisch-israelischen Flagge an einer Wand in Tel Aviv

So oder so, es ist noch ein langer Weg zum Frieden. Ich hoffe mal optimistisch darauf, im Altenheim Dokus über die Gründung eines "Heiligen Landes" für alle zu sehen, statt über einen Gewaltausbruch, der eine (oder beide) Seite(n) vernichtet hat. Kurzfristig wird sich im Nahostkonflikt sowieso nicht viel bewegen. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Israelkritik und Antisemitismus

In Deutschland gab es, soweit ich es mitbekommen habe, eine größere Diskussion zum Antisemitismus vorgeblicher "Israelkritik". Forderungen nach einer Auslöschung Israels sind inakzeptabel und antisemitisch. Eine solche Extremposition ist durch nichts gerechtfertigt, auch nicht durch die noch so menschenfeindliche und in Teilen rassistische Behandlung der Palästinenser. Dieser Konflikt ist sehr emotional, und ein Besuch in Betlehem hat schon so manchen Volontär "radikalisiert" (es gibt natürlich auch das Gegenteil, radikal pro-israelische Freiwillige). Gerade für junge Leute wie uns ist es sehr einfach, im emotionalen Rausch für Gerechtigkeit zu tief zu tauchen und dunklere Instinkte anzuzapfen...

Damit dieser Text nicht zu sehr ausufert, belasse ich es aber erstmal dabei, ich werde mir wohl auch so schon die ein oder andere Diskussion eingefangen haben. Wer sich weiter zu den Tücken der Israelkritik informieren möchte, dem empfehle ich diese ausführliche, grundlegende Handreichung der Amadeu-Antonio Stiftung, und diese kürzere Kolumne von Denis Yücel für Deutsche im speziellen.

In diesem Sinne, Shalom/Salam

Unterwegs mit Journalisten: Radio und Street-Art

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Nach unseren Volontärs-Seminaren in den letzten Wochen haben wir gerade eine Gruppe deutscher Journalisten vom Pressenetzwerk PNJ zu Gast. Die deutsche Abteilung des Beit Rutenberg hat das Programm zum Thema "Jugend in Israel" organisiert, und Silvi oder ich begleiten unsere Gäste deshalb zu den meisten Terminen. Ich hatte das Glück, beim Ausflug nach Tel Aviv/Yaffo dabei sein zu dürfen.

Bei meinem letzten Ausflug nach Tel Aviv bin ich leider nicht bis Yaffo gekommen, was der ältere, arabische, meiner Meinung nach (noch) schönere Teil der Stadt ist. Das habe ich diesmal nachgeholt!

Das wichtigste Radio Israels...

Unsere erste Station war der Armeesender Galey Zahal und der Musiksender Galgalatz, beide in einem Gebäude in Tel Aviv untergebracht. Der Großteil der Mitarbeiter dort sind junge Soldaten. Die Vorstellung, dass 18-jährige ohne Ausbildung direkt nach der Schuleihre eigene Show moderieren, und damit bis zu 36% der israelischen Bevölkerung erreichen, ist ziemlich beeindruckend. Sowieso sind bis auf drei, vier Mitarbeiter alle dort maximal 21, aber die hohe Quote bestätigt wohl das dies kein Nachteil ist.

 

Wir wurden sehr freundlich empfangen und durch alle Abteilungen geführt, wo uns immer wieder Soldaten ihre Arbeit erklärt und Fragen beantwortet haben. Zum Abschluss wurden wir mit Essen überhäuft, worüber man sich als Volontär ja immer freut, und von Yoram, der uns zusammen mit Inbal durch den Sender führte, an den Strand von Yaffo geführt.

Ein Wort zur Unabhängigkeit des Senders: Sowohl Galey Zahal als Talksender als auch Galgalatz werden von der IDF (Israeli Defense Force) betrieben. Würde die Bundeswehr in Deutschland einen Sender betreiben, wäre das Vertrauen der Bevölkerung in die Unabhängigkeit der Berichterstattung wohl eher gering. In Israel wird hingegen gerade dieses Detail als Beweis für die Objektivität des Senders verstanden - zumindest bei der jüdischen Bevölkerung. Ein weiterer Beleg für die gigantischen Unterschiede zwischen Israel und Deutschland im Umgang mit seinem Militär.

Wie auch immer, es war sehr beeindruckend selbst in den Aufnahmeraum mitgenommen zu werden (während einer Livesendung!) und zu sehen, dass fünf junge Soldaten bestimmen, was ein Drittel der Bevölkerung für Musik hört beim Autofahren.

In den sterbenden Dschungel müsst ihr gehen...

Unser nächster Programmpunkt: Eine Street-Art-Tour mit Guy Sharett. Guy ist ein sehr faszinierender Mensch. Als studierter Soziolinguist hat er nach zwei Jahren bei Google angefangen, einen Podcast über Hebräisch zu produzieren, und seine Sprachvorliebe mit Touren durch die Straßen des Hipster-Viertels Florentin zu kombinieren.

Ursprünglich berühmt für seine Sofa-Werkstätten, ist Florentin heute ein bei Hipstern und Künstlern beliebtes Viertel. Ein Drittel des Gebiets wurde jedoch schon aufgekauft und soll bald zu Wohntürmen umgebaut werden, denen die alten Tischlereien und Wandkunstwerke dann weichen müssen, und auch der Rest des Viertels wird nicht ewig bleiben. Ähnliche Gentrifizierungsprozesse kennen wir ja leider auch aus deutschen Großstädten.

Buchstäblich jede Ecke dort ist von Künstlern bearbeitet worden. Im Dschungel der Gassen gibt es überall etwas zu entdecken, und ich kann jedem einen Besuch dort nur empfehlen. Auch die selbsterklärt kleinste Gallerie der Welt steht in Florentin.

Auch bei "meinen" Journalisten hat Guy´s Tour einen guten Eindruck hinterlassen. Haltet mal bei Cosmo nach einem Beitrag über ihn Ausschau... sollte auf der Website ein Video-Interview mit ihm auftauchen, ich habe das Mikro gehalten.

Das tolle Programm und unsere sehr sympathische Reisegruppe haben diesen Ausflug zu einem sehr schönen Tag gemacht! BTW, wir hatten 23° C... Und ihr so?

Ein Philipine auf Abwegen – Eine kleine Anekdote

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Die kleine Anekdote, die ich erzählen möchte, ist nicht sonderlich außergewöhnlich oder einzigartig. Als Geschichte eines Einwanderers, der sich irgendwie durchschlägt, ist sie aber kennzeichnend für das Einwanderungsland Israel. Und schließlich geht es in diesem Blog ja um meine persönliche Sicht der Dinge - da mir diese Geschichte also gefällt, werde ich sie auch erzählen.

Ein verdächtiges Paket...

Noch herrscht bei uns sommerliches Wetter, und bevor der "Winter" einbricht, wollte ich den Strand so oft besuchen wie möglich. Nach einigen Stunden sonnen und baden habe ich mich auf den Weg zur Busstation gemacht, um den letzten Bus nach oben zu erwischen.

An der Station steht ein Mann mit Sonnenbrille und einem Lastenträger voller Pappkartons. Oben ragen ein paar Snickers raus. Nach einigen Minuten spricht er mich an und bittet mich, kurz auf seine Last aufzupassen. Während er zur Toilette sprintet, überlege ich kurz ob Terroristen ihre Bomben mit Snickers tarnen würden. Nach reiflicher Überlegung komme ich zu einem "Vielleicht...?", aber da ist der Eigentümer der Kartons schon wieder zurück. Keine Bombe also. Frachttransport per Bus ist auch hier unüblich, deshalb frage ich ihn, warum und was er da per Bus durch die Stadt fahren will.

The israeli dream

Das folgende Gespräch verkürze ich mal auf das grundlegende. Von den Philipinen als Pfleger nach Israel gekommen, lebt er schon seit 12 Jahren in Haifa und betreut einen alten Herren. Um sein Gehalt aufzubessern, handelt er in Haifa mit Waren aus philipinischen Supermärkten in Tel Aviv. Ohne Auto ist er auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Mit einer solchen Fracht stelle ich mir die Sicherheitskontrollen an den Bahnhöfen ziemlich seltsam vor...

Ich halte diese Geschichte für erzählenswert, weil viele Einwanderer hier ähnliche Storys zu erzählen haben. Israel ist ein Einwanderungsstaat, aber einfach ist es trotzdem nicht. Auch meine Chefin Jacqui hat sich nach ihrer Einreise aus Brasilien mit putzen über Wasser gehalten. Der Philipine hat übrigens vor, bald in seine Heimat zurückzukehren.

Ein Hippie-Camp im Nationalpark

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Dieses Wochenende war ich zusammen mit Laura, einer der Freiwilligen die ich letzte Woche in Kfar Saba besucht habe, im Carmel Nationalpark wandern. Davor fand jedoch von Mittwoch auf Donnerstag ein weiteres Fest statt (Shanah Tova), zu dem mich meine "Ober-Chefin" Silvi zum Essen eingeladen hat.  Mehr dazu und unseren Begegnungen mit Hippies, Hipstern und Hitchhikern in diesem Beitrag!

Shanah Tova first, Nationalpark second!

Shanah Tova markiert das Ende der momentanen Feiertagssaison. An Shanah Tova wird die Tora-Lesung des letzten Jahres beendet, und die Lesung des neuen Jahres begonnen. Aus diesem Anlass wird in den Synagogen getanzt und gefeiert, und wie bei fast jedem Fest ausgiebig gegessen. Silvi, quasi die Chefin meiner Chefs und fantastische Ansprechpartnerin für alle Freiwilligen, hat Claudia, Claudias Vor-Vorgängerin Bettina und mich spontan eingeladen und spontan ein kleines Bankett auf die Beine gestellt. Silvis Mann Igal hat uns von seiner Übernachtung in der Laubhütte nach Sukkot berichtet, und so hatten wir einen sehr schönen Abend.

Wo parken im Nationalpark?

Donnerstagabend, nachdem die Züge wieder rollten, ist Laura dann in Tel Aviv angekommen. Am Freitagmorgen sind wir mit dem Bus zur Universität von Haifa, dem Technion, gefahren. Von dort konnten wir einen ersten Blick auf die Hänge des Nationalparks werfen. Der "Carmel National Park" zieht sich von Haifa durch das ganze Carmelgebirge nach Süden, und besteht größtenteils aus strauchigen Hügeln und bewaldeten Wadis (Schluchten), immer mit Blick auf das Mittelmeer. Nachdem wir einen Weg aus dem Unigelände gefunden hatten, sind wir selbst eingetaucht in das Schluchtengewirr des Parks.

Unser Plan bestand im wesentlichen daraus, irgendwie einen Campingplatz zu finden, und am Samstag dann irgendwie zurück nach Haifa. Obwohl die Wanderwege sehr gut ausgeschildert sind, sucht man eine Übersichtskarte in Israel vergeblich. So haben wir uns mit einer Mischung aus Gefühl und Google Maps zurechtgefunden.

An diesem ersten Tag, in unmittelbarer Nähe zu Haifa, begegneten uns ziemlich häufig andere Wanderer. Insbesondere Pfadfindergruppen waren immer mindestens zu zweit in einem Wadi unterwegs, sodass es meistens etwas weniger still war als erwartet. Die Wege führten uns, teilweise mit kleinen Klettereinlagen, durch mehrere Schluchten in Richtung Beit Oren. Unser Ziel, der Campingplatz, sollte irgendwo in unmittelbarer Nähe dieses ehemaligen Kibbuz liegen.

Mitten in einer sehr engen Schlucht begegnete uns dabei dieses ungewöhnlich geparkte Fahrzeug. Die Schlucht war definitiv zu eng zum Autofahren, wer auch immer diesen Wagen dort hin gesteuert hat, ich hoffe er ist ausgestiegen bevor das Auto abgestürzt ist!

Hippies und Hipster

Am späten Nachmittag erreichten wir den Campingplatz. Dafür das wir ziemlich ohne Vorwissen diesen Ort ausgesucht hatten, haben wir ziemlich Glück gehabt. Das Personal des Platzes bestand größtenteils aus israelischen Freiwilligen. Die ganze Anlage hatte etwas hippiehaftes, unter anderem gab es ökologische Sanitäranlagen (=das Wasser wurde vor Ort wiederverwendet) und kleine Gartenflächen überall. Zum ersten Mal in Israel habe ich den Versuch einer Mülltrennung gesehen! Die Gäste haben das Konzept leider nicht wirklich verstanden, deswegen lag trotzdem auch im Kompost- und Glas-Container Plastik. Israelis sind keine guten Umweltschützer!

Die meisten Gäste waren junge Familien aus Tel Aviv, wohlhabend und hip. Es war ziemlich lustig als mich ein 40-Jähriger, erfolgreicher Architekt mit Kindern fragte, ob Fleisch in den organischen Müll gehört oder nicht doch zum Plastik. Wie gesagt, Israelis und Umwelt ist eine Geschichte für sich. Am Lagerfeuer sorgte unser Alter für Gesprächsstoff, da Israelis erst ihren Militärdienst absolvieren müssen nach der Schule.

Obwohl wir etwas gemütlicher hätten schlafen können, war der Campingplatz ein echter Glücksgriff. Uns wurde sogar angeboten, beim nächsten Mal für etwas Arbeit umsonst dort zelten zu dürfen. Wenn ich das nächste Mal wandern gehe, weiß ich wo ich zelte!

Irrungen, Wirrungen

Da wir am Vortag mit einem guten Zeitpuffer das Camp erreichten, wollten wir auf dem Rückweg einen kleinen Schlenker zu einem Aussichtspunkt machen, von dem Laura gehört hatte. So wanderten wir ein Stück weiter nach Süden auf den Berghängen, und wollten dann vom Aussichtspunkt zum Meer hinab. Leider fanden wir den Aussichtspunkt jedoch nicht. Dafür konnten wir aber auch vom Wanderweg aus einen guten Blick auf das Meer bekommen. In diesem Gebiet standen noch viele verkohlte Bäume, vermutlich vom letzten Waldbrand vor ein paar Jahren. Bei diesem Feuer kamen einige Menschen ums Leben und ein Großteil der Grünflächen brannte ab, große Teile der Flora hatten sich aber bei unserem Besuch schon regeneriert.

Irgendwann gaben wir die Suche nach der Aussichtsplattform auf. Der Weg zum Meer stellte uns vor einige Herausforderungen, und wir sind auf einem Berghang in eine Sackgasse gelaufen und mussten die Strecke zweimal wandern. Schlußendlich standen wir 200 Meter vom Strand entfernt - und zwischen uns eine Bahntrasse ohne Übergang weit und breit. Nach diesem Schlag entschlossen wir uns zur Rückkehr nach Haifa via Tramping (wir waren mittlerweile in bewohntem Gebiet angelangt). Überraschenderweise gabelte uns schon nach fünf Minuten ein Autofahrer auf. Er meinte, wir sähen nicht wie Araber aus, deshalb würden Leute auch anhalten. Außerdem hätten ihm in Deutschland auch Leute geholfen, jetzt wolle er den Gefallen erwiedern.

Während der anstrengenden Wanderung hatten wir irgendwann begonnen, uns mit der Vorstellung von Milchnudeln zu mobilisieren. Glücklicherweise hatte der arabische Supermarkt beim Molada noch auf, und so konnten wir diesen Tagtraum auch umsetzen. So fand unser schöner Ausflug einen passenden Abschluß. Den Carmel Nationalpark kann ich nur empfehlen!