Per Auslandsjahr durch die Welt

Veröffentlicht 2 KommentareVeröffentlicht in Guide, Israel

Nach der Schule (oder während des Studiums) denkt sicherlich mittlerweile jeder zumindest einmal darüber nach, ein Auslandsjahr zu absolvieren. Und dafür gibt es gute Gründe: Man taucht in eine fremde Kultur so tief ein wie anders kaum möglich (es sei denn durch Migration) und lernt dabei wahnsinnig interessante Leute aus aller Welt kennen. Die Chance auf eine komplett andere Perspektive auf die Welt gibt es gratis dazu, und für die Anspruchsvollen unter uns auch noch einen Beitrag zur Völkerverständigung. Das ganze mit fantastischer Betreuung, einem Netzwerk an Freiwilligen und finanzieller Unterstützung durch den Staat - Was will ein Weltreisender mehr?

Dieser Artikel hilft dir bei der Planung und Vorbereitung deines Auslandsjahres, anhand meiner Vorbereitungs-Erfahrungen für mein Auslandsjahr in Israel. Los geht´s!

Was hast du eigentlich vor in deinem Auslandsjahr?

Deine Motivation für ein Auslandsjahr beeinflusst deine Anforderungen meistens enorm, deshalb solltest du dir bewusst sein, warum du ein Jahr in einem fremden Land verbringen willst. Du liebst Spanisch, und willst besser sprechen? Dann ist wahrscheinlich für dich wichtig, dass du irgendwo in Südamerika arbeiten kannst. Wer sich auf sein Medizinstudium vorbereitet, sucht nach Einsatzstellen in Krankenhäusern, wer Kinder mag, will in einen Kindergarten, usw. Wenn du weißt, was dir wichtig ist, rate ich dir dazu, bei allen anderen Kriterien möglichst offen zu bleiben.

Zur Verdeutlichung: Jemand, der irgendwo außerhalb Europas mit Jugendlichen arbeiten will, ist erheblich besser zu vermitteln, als jemand, der in Mexiko-Stadt an einer deutschen Schule mit musikalischem Schwerpunkt arbeiten will! Mit Glück und den passenden Fähigkeiten kann man zwar auch sehr spezielle Stellen finden - das ist aber unwahrscheinlich und klappt bei den meisten einfach nicht. Deshalb solltest du wissen, was für dich tatsächlich entscheidend ist, und bei allem anderen flexibel bleiben. Später kannst du eventuell immer noch zwischen verschiedenen Angeboten wählen. Wenn du nun also weißt was du willst, geht es im nächsten Schritt darum, wer dir dabei helfen kann, dein Ziel zu erreichen.

Wie funktioniert ein Auslandsjahr eigentlich?

Deutschland ist glücklicherweise reich an Unterstützung und Angeboten für junge Menschen, die ein Auslandsjahr absolvieren möchten. Bei den ganzen Förderprogrammen und Entsendeorganisationen verliert man leicht den Überblick, deshalb erkläre ich dir kurz die größten Projekte und gebe dir einen Überblick über deren Vor- und Nachteile.

Zu den Grundlagen - Du bewirbst dich bei einer Entsendeorganisation deiner Wahl, die über eines der staatlichen Förderprogramme mehrere Einsatzstellen im Ausland organisiert hat. Der Staat finanziert also meistens die von der Entsendeorganisation verwalteten Projekte, im Gegenzug muss die Entsendeorganisation einige Vorgaben einhalten, die von Förderprogramm zu Förderprogramm variieren.

Fun Fact am Rande: Das "FSJ im Ausland" gibt es so als staatliches Programm nicht.

Die drei größten Förderprogramme sind weltwärts, der IJFD und kulturweit.

Weltwärts

Weltwärts ist ein Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die meisten Einsatzstellen liegen in Entwicklungsländern, deshalb ist dieses Programm besonders interessant für Leute mit exotischeren Zielorten. Neben einer Haftpflicht- und Krankenversicherung, Unterkunft, Verpflegung und Impfkosten, werden dir auch die Reisekosten bezahlt. Bei diesem Programm finanziert das Ministerium zwar den Großteil der Ausgaben, den Rest muss jedoch die Entsendeorganisation aufbringen. Dafür werden die meisten Freiwilligen um die Gründung eines Spendenkreises gebeten, der monatlich ca. 200 € aufbringen sollte. Dieser Spendenbeitrag ist technisch nicht verpflichtend, wird aber von dir erwartet. Da du von diesem Programm profitieren willst, halte ich es für angebracht, auch dessen Fortführung zu ermöglichen - Du solltest dich also wirklich anstrengen, deinen Spendenbeitrag aufzubringen. Ein wirkliches Manko bei weltwärts ist das Finden einer Entsendeorganisation - es gibt kein zentrales Bewerbungsportal. Du musst also selbst eine Organisation finden, die über weltwärts arbeitet.

IJFD

Der Internationale Jugendfreiwilligendienst (IJFD) des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist weltwärts vom Prinzip her sehr ähnlich. Für beide Programme musst du zwischen 18. und 27. Jahre alt sein. Der IJFD findet jedoch meistens in nicht ganz so exotischen Orten statt, und dein Spendenkreis "muss" nur ca. 100 € aufbringen. Dafür werden deine Reisekosten jedoch nicht bezahlt, und die Bewerbung ist genauso unübersichtlich wie bei weltwärts. Einige Organisationen bieten Einsätze über beide Programme an, auch das DRK, meine Entsendeorganisation. Ich bin übrigens über den IJFD in Israel.

Kulturweit

Kulturweit funktioniert wesentlich anders als die beiden Bundes-Programme weltwärts und IJFD. Initiator ist die deutsche UNESCO-Komission. Die Bewerbung erfolgt zentral auf einer wirklich hübschen Website. Finanziell bekommt ihr nach komplexeren Regeln vor allem Zuschüsse zu Wohnung, Reisekosten etc. Die Liste der Partnerorganisationen ist wesentlich kürzer und sehr hochkarätig, unter anderem der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) oder das Goethe-Institut. Leider sind die meisten Einsatzstellen in den GUS-Staaten und Osteuropa, und nur vereinzelt auf anderen Kontinenten. Als ich dort beim Bewerbungsgespräch war, wollte gefühlt die Hälfte meiner Mitbewerber nach Südamerika, obwohl nur ein, zwei Dutzend Einsatzstellen dort waren. Außerdem kannst du im Vorfeld nur Kontinente bevorzugen oder ausschließen, keine einzelnen Länder. Du hast also in geografischer Hinsicht weniger Wahlmöglichkeiten.

Der Papierkram - Welche Dokumente brauchst du?

In der Regel versorgt deine Entsendeorganisation dich mit einer Liste aller benötigten Dokumente. Mein wichtigster Tipp: Sobald du weißt was du brauchst, besorg es dir! "6 Monate Zeit bis zur Abgabe" klingt zwar, als könntest du alles in Ruhe erledigen - Aber überschätze niemals die Geschwindigkeit einer deutschen Behörde! Für den Auslandseinsatz müssen einige Dokumente (Führungszeugnis...) nochmal beglaubigt werden. Eine Übersetzung müsst ihr auch noch anfertigen lassen, und so kann es schon mal 2 Monate dauern, bis du dann dein unterschriebenes, übersetztes Führungszeugnis mit Apostille in der Hand hältst... Also lass dir nicht zuviel Zeit!

Auch deine finanziellen Angelegenheiten solltest du frühzeitig mit einer Bank abklären. EC-Karten werden außerhalb Europas kaum akzeptiert, weshalb du dir eventuell eine Kreditkarte anschaffen solltest. Empfehlenswert ist auch, vor der Ausreise noch einmal zu allen nötigen ärztlichen Routineuntersuchungen zu gehen, da diese von den Auslandskrankenkassen meistens nicht übernommen werden.

Ich packe meinen Koffer...

Dein physisches Gepäck ist stark abhängig von deinem Zielort. Informiere dich im Vorfeld gut, was du alles benötigen könntest. Für mich steht zum Beispiel Sonnenmilch an oberster Stelle, ein Freiwilliger in Dänemark hat vermutlich eine andere Gepäckliste.

Du solltest außerdem überlegen, dich auch geistig auf deinen Auslandsaufenthalt vorzubereiten. Belege einen Sprachkurs, schaue einen Film aus deinem Einsatzland, lies einen dort spielenden Roman, geh in ein Restaurant mit landestypischer Küche... So gewinnst du einen ersten Eindruck der für dich fremden Kultur - oder kannst nach deinem Auslandsjahr mit voller Befriedigung erzählen, dass dort ja alles doch ganz anders ist als hier gezeigt!

Jetzt wird´s emotional... Ein Auslandsjahr ist ein Jahr ohne dich!

Ein weiterer wichtiger Aspekt deiner Vorbereitung wird der Abschied von Freunden, Verwandten und insgesamt deiner Heimat sein. Das kann ganz schön hart sein, immerhin hast du einen Großteil deines bisherigen Lebens hier verbracht. Lass dir deshalb Zeit. Du wirst ein Jahr lang weg sein. Versuch eventuell mit alten Konflikten aufzuräumen bevor du fährst. Letztlich hängt die Gestaltung aber natürlich von deiner eigenen Emotionalität ab. Behalte aber im Hinterkopf, dass auch für deine Freunde und Familie ein passender Abschied wichtig ist!

Ich hoffe, du fühlst dich jetzt gewappnet und vorbereitet auf dein Auslandsjahr. Wenn du mehr über meine Erlebnisse in Israel erfahren willst, sieh dich doch einfach ein bisschen weiter auf meinem Blog um. Ich wünsche dir viel Erfolg!