IsraelTagebuch

Seminar first, Totes Meer second

Diesen Monat fand mein viertes (glaube ich) Freiwilligen-Seminar in Israel statt. Wie schon in Jerusalem ging es um das Thema Shoa, diesmal allerdings wieder drei Tage lang. Ich habe das Gefühl über dieses Thema schon sehr viel geschrieben zu haben, deshalb möchte ich nur zwei besonders interessante Episoden des Seminars beschreiben. Am Wochenende danach hatte ich das Glück von jemandem mit Führerschein und Fahrzeug mit zum Toten Meer genommen zu werden,  und der Unterschied zwischen Haifa und Ein Gedi ist gewaltig!

Ich treffe eine Zeitzeugin

Obwohl ich in Deutschland schon jemanden aus der sogenannten "zweiten Generation" (also die Kinder der Holocaust-Überlebenden) getroffen habe, und in Israel fast jeder Vorfahren im Holocaust hatte, bin ich bisher noch niemandem begegnet der diese schlimme Zeit persönlich erlebt hat. Ich denke solange wir noch die Möglichkeit haben, sollten so viele Menschen wie möglich denen  zuhören, die den Mut haben über ihre Erlebnisse zu erzählen. Die Menschen fangen ja jetzt schon an zu vergessen, und es gibt kein besseres Gegenmittel als die Geschichten der Überlebenden weiterzutragen.

Orthodoxe Welt

Wir hatten noch viele andere Vorträge und Ausflüge, den größten Eindruck hinterlassen hat aber ein orthodoxer Jude, der uns über das orthodoxe Verständnis des Holocaust aufgeklärt hat - und das ist, gerade für einen Deutschen, eine sehr schockierende Sichtweise. Für orthodoxe Juden war die Shoa Teil von Gottes Plan, und obwohl Gottes Wege unerklärlich sind, nehmen viele an dass der Holocaust eine Strafe war für die Fehler der Juden in Europa. Als säkulärer Mensch ist diese Sichtweise nahezu unerträglich. Wir haben in der Schule gelernt wie egal den Nazis war was man gemacht hat, solange man Jude war. Wir wissen von den Millionen Kindern, die gar nicht die Gelegenheit hatten an irgendetwas Schuld zu sein. Aber im Judentum gibt es die Regel, dass für deine Taten deine Kinder und Nachbarn leiden werden. Diese Regel entspricht in etwa dem christlichen Prinzip der Erbsünde (jetzt bringt mir meine Klosterschule mal was). Aber ein derart radikales Gottvertrauen, das selbst die Ermordung von 6 Millionen Menschen Teil von Gottes Plan ist, und Kinder, Sinti und Roma, Behinderte und Dissidenten alle Opfer irgendeiner Schuld der Juden sind... das ist ein erschreckender Gedanke. Mir wird immer klarer dass orthodoxe (und erst recht ultraorthodoxe) Juden in einer ganz anderen Welt leben. Aber aus einer solchen Weltsicht erklärt sich auch weshalb die Religiösen in Israel Läden am Shabbat zwingen wollen zu schließen. Ein säkulärer Bewohner denkt,"Was geht dich dass an ob ich am Samstag einkaufen gehe?!? ", aber für einen orthodoxen fällt dieser "Fehler" früher oder später auf alle Juden zurück. Kein Wunder dass es hier so viele Konflikte zwischen Religiösen und Säkulären gibt, diese zwei Welten sind glaube ich nahezu unvereinbar.

Ein Gedi

In dieser Woche war auch Michele bei uns im Rutenberg zu Gast. Sie kommt aus Deutschland und hat in einem Privatulpan bei uns hebräisch gelernt. Freundlicherweise hat sie mir angeboten mich mit ihrem Mietwagen mit zum Toten Meer zu nehmen, sodass ich zum ersten Mal an einem Shabbat reisen konnte. So leer habe ich die Autobahnen noch nie gesehen, die einzigen waren wir aber nicht. Zuerst sind wir nach Ein Gedi gefahren, ein Kibbutz direkt am Meer das berühmt ist für seine grünen Wadis, in denen Wasserfälle die Pflanzen am Leben halten. Zusammen sind wir entlang des Wasserlaufs durch den Nationalpark gewandert. Nach dem höchsten der drei Fälle hatten wir die meisten Besucher hinter uns gelassen, und erreichten die felsigen Pfade über dem begrünten Wadi. Ich war das erstemal südlich von Jerusalem, und der Unterschied zu Nord-Israel ist atemberaubend. Während bei uns Wälder und Gestrüpp die rundlichen Hügel überziehen, sieht die Wüste am Toten Meer aus wie eine Mondlandschaft. Felsig, rötlich, meistens kahl, und sehr abrupt . Und dabei liegt das meiste unter dem Meeresspiegel!

Nach ungefähr drei Stunden Wanderung hatten wir das Wadi umrundet. Leider waren wir zu spät da um noch auf die antike Festung Massada zu kommen. Wenn ich das nächste Mal dort bin ist das aber mein Topziel. Den Rest des Tages haben wir dann am Strand verbracht, und das Wasser ist wirklich ulkig. Jeder planscht wie eine Ente durch das Wasser und versucht nicht seine Augen zu bewässern. Auf der Haut spürt das Salzwasser sich irgendwie seifig an. Länger als 30 Minuten sollte man nicht im Wasser sein, deshalb bin ich zweimal ins Wasser.

Dieser Ausflug war sehr interessant, und ich bin sehr dankbar das Michele mich mitgenommen hat. So oft hat man als Volontär schließlich keinen  Mietwagen...

Dieses Wochenende wird hier Pessach gefeiert. Hag sameach, und frohe Ostern allen in Deutschland!

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