Sederabend, Yom HaAtzmaut und Abschlussfilme

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Es ist schon wieder einen Monat her dass ich etwas geschrieben habe. Macht euch aber keine Sorgen, gut gehts mir immer noch hier.

In der Zwischenzeit habe ich an Pessach am Sederabend einer israelischen Familie teilgenommen. Mein Chef Amir hat mich freundlicherweise zu seiner Familienfeier im Haus seiner Eltern eingeladen. Der Sederabend ist der Höhepunkt des Pessach-Festes und fällt mit Karfreitag zusammen. An Pessach gedenken Juden dem Auszug aus Ägypten. Unter anderem sollte man in der Pessach-Woche nur ungesäuertes Brot essen, sogenannte Matze. Leider dürfen gläubige Juden nur in Läden einkaufen in denen auch nichts gesäuertes verkauft wird, deshalb waren bei uns im Supermarkt die Brotecke und das Nudelregal abgesperrt. Zum Glück gibt es bei mir um die Ecke noch einen kleinen Araber dem die jüdischen Vorschriften egal sind, sodass ich mich nicht nur von Knäckebrot ernähren musste. Diese Regel, die leider ja nicht nur Juden betrifft sondern auch andere am Brotkauf hindert, ist ein weiteres Beispiel für die vielen Konflikte die zwischen religiösen, und säkulären oder nicht-jüdischen Israelis zur Stande kommen.

Der Sederabend

Am Sederabend habe ich zuerst die große und bunte Familie Amirs kennengelernt. Auf der Feier waren viele Kinder, und ständig ist jemand ddurch die Gegend gerannt. Ich bin wie immer sehr dankbar dass eine Familie mich an ihrer Feier hat teilnehmen lassen, wie schon an Rosh HaShanah. Amirs Familie ist nicht wirklich religiös, aber achtet trotzdem die Traditionen. Es gibt ein spezielles Ritual am Sederabend, in dem für die Kinder der Auszug Ägyptens nacherzählt wird,  seit 2000 Jahren auf dieselbe Weise. Währenddessen werden mehrere symbolische Speisen verzehrt, unter anderem Eier, Matze und bittere Kräuter. Aber wie gesagt, Amirs Familie ist nicht wirklich religiös, deswegen hatte jeder dritte keinen Appetit auf Eier und die Erzählung wurde nach der Hälfte abgebrochen weil die Kinder unruhig wurden. Was ich gesehen habe war trotzdem interessant.

Eine Vorschrift die wir eingehalten haben war das trinken von vier Gläsern Wein, vielleicht auch etwas mehr. Leider hat Amirs Stiefmutter nach dem Whiskey angefangen mir einige sehr krude politische Thesen über die EU, Merkel und Flüchtlinge zu erzählen, und weil sie nun mal die Stiefmutter meines Chefs war und eigentlich vorher sehr nett konnte ich nicht viel mehr machen als höflich "I disagree" zu sagen. Amirs Nichte hat mir nachher erzählt dass der Rest der Familie mir amüsiert vom Sofa aus zugesehen hat und ihre Diskussionen schon selbst kannte, was mir dann ein kleiner Trost war. Abgesehen davon war der Abend aber sehr nett und alle sehr freundlich. Und das Essen war fantastisch. "Gefüllte Fisch", ein Fisch gefüllt mit püriertem Fisch klingt etwas abstoßend, war aber erstaunlich lecker. Lustigerweise wusste außer Amirs Vater niemand was "Gefüllte Fisch" eigentlich heißt. Die Ähnlichkeit zwischen Yiddisch und Deutsch erstaunt mich immer wieder.

Unabhängigkeitstag

Diesen Monat ist Israel 70 Jahre alt geworden, und am Unabhängigkeitstag war ich zusammen mit einer israelischen Bekannten in Tel Aviv. Viele Straßen waren gesperrt, es gab ein Feuerwerk und jeder ist in Blau-Weiß durch die Gegend gelaufen - aus unerfindlichen Gründen hatten viele Kinder aufblasbare Hammer in Israel-Farben. Ich fand es sehr interessant die Feier zu beobachten, fühle mich von diesem Nationalismus und Patriotismus aber immer zu sehr abgestoßen um wirklich zu feiern. Ich bin sehr froh dass wir so etwas in Deutschland nicht haben. Wenn es einen Staat gibt in dem ich Patriotismus nachvollziehen kann ist es aber denke ich Israel.

Auf der Arbeit sind die Schüler aus dem Jahrgang 12 gerade mit ihren Abschlussfilmen beschäftigt. Nächste Woche findet unser nächstes Seminar statt, und diesen Monat kommt mich auch meine Familie besuchen, worauf ich mich sehr freue. Liebe Grüße aus Haifa!

Seminar first, Totes Meer second

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Diesen Monat fand mein viertes (glaube ich) Freiwilligen-Seminar in Israel statt. Wie schon in Jerusalem ging es um das Thema Shoa, diesmal allerdings wieder drei Tage lang. Ich habe das Gefühl über dieses Thema schon sehr viel geschrieben zu haben, deshalb möchte ich nur zwei besonders interessante Episoden des Seminars beschreiben. Am Wochenende danach hatte ich das Glück von jemandem mit Führerschein und Fahrzeug mit zum Toten Meer genommen zu werden,  und der Unterschied zwischen Haifa und Ein Gedi ist gewaltig!

Ich treffe eine Zeitzeugin

Obwohl ich in Deutschland schon jemanden aus der sogenannten "zweiten Generation" (also die Kinder der Holocaust-Überlebenden) getroffen habe, und in Israel fast jeder Vorfahren im Holocaust hatte, bin ich bisher noch niemandem begegnet der diese schlimme Zeit persönlich erlebt hat. Ich denke solange wir noch die Möglichkeit haben, sollten so viele Menschen wie möglich denen  zuhören, die den Mut haben über ihre Erlebnisse zu erzählen. Die Menschen fangen ja jetzt schon an zu vergessen, und es gibt kein besseres Gegenmittel als die Geschichten der Überlebenden weiterzutragen.

Orthodoxe Welt

Wir hatten noch viele andere Vorträge und Ausflüge, den größten Eindruck hinterlassen hat aber ein orthodoxer Jude, der uns über das orthodoxe Verständnis des Holocaust aufgeklärt hat - und das ist, gerade für einen Deutschen, eine sehr schockierende Sichtweise. Für orthodoxe Juden war die Shoa Teil von Gottes Plan, und obwohl Gottes Wege unerklärlich sind, nehmen viele an dass der Holocaust eine Strafe war für die Fehler der Juden in Europa. Als säkulärer Mensch ist diese Sichtweise nahezu unerträglich. Wir haben in der Schule gelernt wie egal den Nazis war was man gemacht hat, solange man Jude war. Wir wissen von den Millionen Kindern, die gar nicht die Gelegenheit hatten an irgendetwas Schuld zu sein. Aber im Judentum gibt es die Regel, dass für deine Taten deine Kinder und Nachbarn leiden werden. Diese Regel entspricht in etwa dem christlichen Prinzip der Erbsünde (jetzt bringt mir meine Klosterschule mal was). Aber ein derart radikales Gottvertrauen, das selbst die Ermordung von 6 Millionen Menschen Teil von Gottes Plan ist, und Kinder, Sinti und Roma, Behinderte und Dissidenten alle Opfer irgendeiner Schuld der Juden sind... das ist ein erschreckender Gedanke. Mir wird immer klarer dass orthodoxe (und erst recht ultraorthodoxe) Juden in einer ganz anderen Welt leben. Aber aus einer solchen Weltsicht erklärt sich auch weshalb die Religiösen in Israel Läden am Shabbat zwingen wollen zu schließen. Ein säkulärer Bewohner denkt,"Was geht dich dass an ob ich am Samstag einkaufen gehe?!? ", aber für einen orthodoxen fällt dieser "Fehler" früher oder später auf alle Juden zurück. Kein Wunder dass es hier so viele Konflikte zwischen Religiösen und Säkulären gibt, diese zwei Welten sind glaube ich nahezu unvereinbar.

Ein Gedi

In dieser Woche war auch Michele bei uns im Rutenberg zu Gast. Sie kommt aus Deutschland und hat in einem Privatulpan bei uns hebräisch gelernt. Freundlicherweise hat sie mir angeboten mich mit ihrem Mietwagen mit zum Toten Meer zu nehmen, sodass ich zum ersten Mal an einem Shabbat reisen konnte. So leer habe ich die Autobahnen noch nie gesehen, die einzigen waren wir aber nicht. Zuerst sind wir nach Ein Gedi gefahren, ein Kibbutz direkt am Meer das berühmt ist für seine grünen Wadis, in denen Wasserfälle die Pflanzen am Leben halten. Zusammen sind wir entlang des Wasserlaufs durch den Nationalpark gewandert. Nach dem höchsten der drei Fälle hatten wir die meisten Besucher hinter uns gelassen, und erreichten die felsigen Pfade über dem begrünten Wadi. Ich war das erstemal südlich von Jerusalem, und der Unterschied zu Nord-Israel ist atemberaubend. Während bei uns Wälder und Gestrüpp die rundlichen Hügel überziehen, sieht die Wüste am Toten Meer aus wie eine Mondlandschaft. Felsig, rötlich, meistens kahl, und sehr abrupt . Und dabei liegt das meiste unter dem Meeresspiegel!

Nach ungefähr drei Stunden Wanderung hatten wir das Wadi umrundet. Leider waren wir zu spät da um noch auf die antike Festung Massada zu kommen. Wenn ich das nächste Mal dort bin ist das aber mein Topziel. Den Rest des Tages haben wir dann am Strand verbracht, und das Wasser ist wirklich ulkig. Jeder planscht wie eine Ente durch das Wasser und versucht nicht seine Augen zu bewässern. Auf der Haut spürt das Salzwasser sich irgendwie seifig an. Länger als 30 Minuten sollte man nicht im Wasser sein, deshalb bin ich zweimal ins Wasser.

Dieser Ausflug war sehr interessant, und ich bin sehr dankbar das Michele mich mitgenommen hat. So oft hat man als Volontär schließlich keinen  Mietwagen...

Dieses Wochenende wird hier Pessach gefeiert. Hag sameach, und frohe Ostern allen in Deutschland!

Tech-Support, (nochmal) Yad Vashem und Karneval

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Mittlerweile habe ich mich so sehr eingelebt in meiner Arbeitsstelle, dem Beit Rutenberg, dass die Zeit hier nur so zu fliegen scheint und ich gar nicht mehr hinterherkomme, wieviele Monate ich denn nun eigentlich schon hier bin (5). In gleichem Maße scheint sich leider auch der Veröffentlichungs-Zyklus meines Blogs zu strecken... Jetzt halte ich endlich wieder mal inne und berichte euch, was in den letzten Wochen so bei mir los war.

Ein Tag in Jerusalem

Ende Januar waren wir mit allen Rutenberg-Freiwilligen auf einem Tagesseminar in Jerusalem. Inhalt des Seminars war ein Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Obwohl ich dort ja schon kurz nach Weihnachten mit Freunden aus Gilo gewesen war, bin ich doch froh die Gedenkstätte nochmal mit einer Führung besucht zu haben. Alleine kann man sich zwar mehr auf Aspekte der Shoa fokussieren, die man gerade interessant findet, aber unsere Gruppenleiterin hat uns einen sehr guten Gesamtüberblick gegeben und vorallemdingen auf die dutzenden Symbole der Gedenkstätte aufmerksam gemacht. Gerade beim ersten Besuch ist man derart überwältigt von so viel Schrecken, dass man für solche Feinheiten keinen Kopf hat.

"Yad Vashem" bedeutet wörtlich übersetzt "Hand und Name". In Anlehnung an Jesaja 56,5 wird so die Hauptaufgabe der Einrichtung charakterisiert: den Opfern der Shoa ihre Identität wiederzugeben und ihre Namen in Erinnerung zu halten.

Denen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern ein Denkmal und einen Namen geben; das ist besser als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen will ich ihnen geben, der nicht vergehen soll (Jes 56,5)

Mein erster Einsatz als Techsupport

Ich habe in den vergangenen Monaten ab und zu Kontakt zu einem ehemaligen Mitarbeiter des Beit Rutenberg gehabt, der ursprünglich aus dem Saarland kommt und nun als Pensionär mit seiner Frau in Haifa lebt. Mein Bekannter ist nun letztens umgezogen und hat mich gebeten ihm nach seinem Umzug beim Wiederaufbau seines Computers zu helfen. Gegen ein leckeres Essen habe ich natürlich kein Problem damit ein paar Kabel einzustecken.

Am nächsten Tag hat mein Bekannter jedoch seine Boxen umgebaut, und ich musste ihm per Telefon erklären wie man an seinem PC wieder zu den eingebauten Boxen wechselt... Ich habe seither nichts als Bewunderung für Mitarbeiter im Tech-Support übrig, die den ganzen Tag Leuten erklären "wo denn das WLAN-Kabel ist" und mit welcher Maustaste man wohin klickt. Lustig war es trotzdem, und das Essen war sehr lecker, ich beschwere mich also nicht.

Frühling...?

Nach den Regenströmen im Januar, auf die sich Haifa israeli-style vorbereitet hat (gar nicht, alle Straßen waren überschwemmt), zeigt sich jetzt wieder die Sonne und die Vögel zwitschern wieder. So ganz traue ich dem aber Frühling noch nicht, immerhin ist es Anfang Februar, da sind 20 Grad einfach trotz Gegenbeweis nicht vorstellbar für mich.

An meine Leser in Deutschland: Helau! Das jüdische Karnevalsfest, Purim, beginnt erst am 28. Februar, ich habe euch gegenüber also erstmal etwas aufzuholen...

Besser spät als nie… Wie habe ich eigentlich Weihnachten gefeiert?

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Es ist mir beinahe etwas peinlich diesen Artikel über mein Weihnachten erst so spät zu veröffentlichen, aber die letzten Wochen war ich leider wirklich gut darin meinen Zeitplan mit anderen Sachen als schreiben vollzustopfen. Einigermaßen regelmässig schreiben klingt einfacher als es ist...

Trotzdem möchte ich meine Weihnachtsfeier nicht aussparen, immerhin bin ich gerade im "Heiligen Land". Und ich halte für berichtenswert, wie unterschiedliche Mauern ich gesehen habe und warum ich gerade an diesem Fest zu einer Lüge greifen musste...

Ich belüge meine Familie...

Im Vorfeld habe ich meiner Familie erzählt, dass eine WG mich und andere Freiwillige zu einer kleinen Weihnachtsfeier eingeladen hat (an dieser Stelle nochmal vielen Dank dafür). Wir haben jeder eine Kleinigkeit zu Essen vorbereitet, und uns auf einen gemütlichen Weihnachtsabend vorbereitet. Die Lüge: Eingeladen hat uns die WG in Gilo, einer israelischen Siedlung außerhalb Jerusalems, 20 Minuten von Betlehem entfernt. Meiner Familie habe ich gesagt, wir würden in Tel Aviv feiern. Also - Warum?

Die grundlegende Ursache ist auch hier mal wieder die sehr voneinander abweichende Wahrnehmung Israels, genauer gesagt des Nahost-Konflikts. Am 21. Dezember hatte eine radikale Palästinensergruppe als Reaktion auf Donald Trumps "great idea" bezüglich der Anerkennung Jerusalems einen weiteren "Tag des Zorns" ausgerufen. An den vorhergehenden drei dieser Tage hatte es Demonstrationen und Ausschreitungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gegeben, bei denen mehrere Demonstranten getötet und israelische Soldaten verwundet wurden. In Deutschland in den Nachrichten sieht und hört man in solchen Zeiten in Bezug auf Israel dann bloß von solchen drastischen Ereignissen.

Im Gegensatz dazu sind wir Freiwilligen eher unbeeinflusst von den Protesten.Da kann man schon mal eben rüber ins Westjordanland, weil das Gemüse dort billiger ist, was bei manchen in Deutschland als Leichtsinn aufgefasst würde.

Ich bin mir nun ziemlich sicher dass meine Eltern keine ruhige Minute gehabt hätten, wennich ihnen gesagt hätte, dass die Mauer zu Betlehem ein paar hundert Meter entfernt ist. Gleichzeitig denke ich aber, dass ich und die meisten anderen Volontäre mittlerweile ein sehr gutes Gespür dafür haben, welche Situation brenzlig ist und was in Ordnung, und Betlehem an Weihnachten sollte kein Problem sein. Also habe ich meine Eltern belogen, und erst als ich wieder im "sicheren" Haifa war gebeichtet.

Just another brick in this wall

Tatsächlich war mein Weihnachtsbesuch in Jerusalem gleichzeitig mein erster Besuch in Jerusalem. Weihnachten ist sicherlich kein schlechter Zeitpunkt, um die Heilige Stadt im Heiligen Land zu besuchen. Gilo, wo ich eingeladen war, liegt quasi direkt neben Betlehem. Die WG dort ist wirklich schön, mit einer zumindest spektakulären Sicht auf die Mauer. Es war super nett von den Freiwilligen dort uns alle einzuladen, wodurch wir mit einer netten Gruppe von ca. 10 Leuten feiern konnten. Nochmal, vielen Dank.

Am späten Nachmittag wanderten wir rüber nach Betlehem. Die Mauer zwischen Israel und der Westbank ist... beklemmend. Gerade, weil sie der zwischen West- und Ostdeutschland nicht so unähnlich sieht. Nach Betlehem rein kommt man aber sowieso ohne Probleme. Direkt hinter dem Eingang wartet eine große Gruppe Händler und Taxifahrer auf Touristen, und dieser anfängliche Schwall wäre alleine ziemlich lästig. Mit unserer Gruppe sind wir aber einfach stoisch geradeaus gelaufen, an der Mauer entlang. Mehrere Künstler und Aktivisten haben sich an diesem Stück Beton ausgetobt, beispielsweise Banksy mit seinem "Walled Off Hotel". Gerade im Kontext des Weihnachtsfests ist die Mauer verdammt ironisch.

Unsere Gastgeber aus Gilo haben uns zum Laden eines Freundes dort geführt. Normalerweise ist Weihnachten die Haupt-Zeit für die Geschäfte in Betlehem, da Pilgerer aus aller Welt in die Stadt strömen. Die Eskalationen zwischen Radikalen und Soldaten haben die Stadt jedoch beinahe leer gefegt, und die Händler vor Ort verpassen ihre größte Einnahmequelle. Der Ladenbesitzer erzählte uns, dass sonst die ganzen Straßen vollgestopft seien mit Besuchern. Uns sind auf dort jedoch leider nur vereinzelt andere Ausländer begegnet.

Frohe Nacht, heilige Nacht...

Wir sind an diesem Abend sogar in zwei Messen gegangen. Zuerst haben wir den Anfang einer Messe arabischer Christen besucht. Ich bin mir ziemlich sicher dass die Gemeinde katholisch war, da mir der Messablauf bekannt war. Es war faszinierend zu sehen, dass der gleiche Ablauf in so ganz anderen Umständen auch eingehalten wird. Von uns konnte jedoch keiner wirklich arabisch, deshalb sind wir nach einer Weile weiter zur internationalen Messe gegangen. Dort waren fast alle Besucher aus dem Ausland, und mehrere evangelische Kirchen haben zusammen die Messe gehalten. Der Priester hat mehr oder weniger erfolgreich versucht die römische Besatzung zur Zeit Jesu mit dem Nahostkonflikt in Verbindung zu bringen, hat es sich meiner Meinung nach aber etwas zu einfach gemacht. Zufälligerweise habe ich dort auch eine Gruppe französischer Freiwilliger aus Melanies WG getroffen.

Nach der Messe sind wir auf den Weihnachtsmarkt in Betlehem gegangen. Das war so ziemlich das weihnachtlichste an diesem Tag, mit Straßenbeleuchtung, Crepe und einem gigantischen, unfassbar hässlichen Weihnachtsbaum in der Mitte des Platzes. Sogar kalt wurde es, man spürt doch den Höhenunterschied zu Haifa. Auf dem ganzen Platz haben kleine Kinder versucht einem Schokoriegel anzudrehen, und aus irgendeinem Grund lief jemand als Milchpackung verkleidet durch die Menge. Das letzte war etwas random.

Feier in Gilo

Auf dem Rückweg habe ich mir noch einen schönen, schwarzen Schal gekauft, dann ging es wieder auf die Mauer zu. Doch schon vor der Mauer begegneten uns einige israelische Soldaten, die eine Straße absperrten. Glücklicherweise passierte aber nicht viel mehr, und so kamen wir zum Checkpoint. Da die Mauer ja eher Leute in der Westbank halten will, ist die Ausreise eher ein Problem als reinzukommen. Wir sahen allerdings westlich genug aus um einfach durchgewunken zu werden, sodass wir noch nichtmal unsere Pässe zeigen mussten. Trotzdem war der Checkpoint bedrohlich, die Laufgänge über unseren Köpfen und scharfen Kontrollen am Metalldetektor lassen schlechtes erahnen für den Fall einer Eskalation. Im Kontrast gab es aber für jeden von uns eine Schokoladentüte, gesponsort vom israelischen Touristenministerium. Pilgerer sind für Israelis und Palästinenser wichtig, deshalb war ich mir auch sicher das in Betlehem fast jeder ruhig bleiben würde, trotz Trump und Co.

Mit unserer Gruppe hatten wir dann in der WG ein gemütliches Abendessen. Da mehrere Leute vegetarisch oder vegan waren, war fast jede Speise vegan. Mein Fleischkonsum hat sich hier allerdings swieso derart verringert dass es mir gar nicht aufgefallen ist. Das Essen war ausnahmslos sehr lecker, am meisten in Erinnerung sind mir die Blätterteigtaschen und ein veganes Mett geblieben. Das Mett war lecker, aber (tut mir leid Julian) man schmeckt natürlich dass es kein Fleisch ist.

Jerusalem, Yad Vashem included

Ich hatte mir die ganze Woche freigenommen und vor, noch etwas länger zu bleiben. Am nächsten Tag waren auch die meisten anderen noch da, und so sind wir noch nach Jerusalem gefahren und haben das arabische Viertel und die Klagemauer besucht. Ich weiß nicht was ich erwartet habe, aber trotz seiner Heiligkeit wirkte die Mauer mit dem Felsendom im Hintergrund etwas profan. Rein physisch ist das schließlich nicht viel anders als jede andere alte Ruine hier, und davon gibt es ja eine Menge. Trotzdem war es beeindrucken an einem Ort zu sein, auf den die Aufmerksamkeit dreier Weltreligionen fokussiert ist. Betlehem, Klagemauer, Felsendom in zwei Tagen...

Am nächsten Tag bin ich mit meinem Gastgeber Julian und seiner Freundin noch nach Yad Vashem gefahren. Ich denke jeder (gerade als Deutscher) hat davon gehört, aber zur Sicherheit nochmal: Yad Vashem ist die Shoa-Gedenkstätte. Es ist sicherlich kein erheiterndes Erlebnis, dieses unfassbare Verbrechen derart detailliert aufgearbeitet zu sehen, in einen Raum voller ausgelöschter Namen zu treten, oder die Kerzenflammen im Kinderdenkmal zu sehen. Aber alles andere würde diesem Ereignis wohl nicht gerecht werden,und ich denke jeder sollte in Jerusalem auch Yad Vashem besuchen.

So habe ich also Weihnachten gefeiert. Weil aller guten Dinge drei sind, nochmal danke an meine Gastgeber. Es war sehr schön in dieser Gruppe zu feiern, und interessant genau an dem Ort zu sein, an dem die gefeierten Ereignisse wahrscheinlich stattfanden.

Unterwegs mit Journalisten: Radio und Street-Art

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Nach unseren Volontärs-Seminaren in den letzten Wochen haben wir gerade eine Gruppe deutscher Journalisten vom Pressenetzwerk PNJ zu Gast. Die deutsche Abteilung des Beit Rutenberg hat das Programm zum Thema "Jugend in Israel" organisiert, und Silvi oder ich begleiten unsere Gäste deshalb zu den meisten Terminen. Ich hatte das Glück, beim Ausflug nach Tel Aviv/Yaffo dabei sein zu dürfen.

Bei meinem letzten Ausflug nach Tel Aviv bin ich leider nicht bis Yaffo gekommen, was der ältere, arabische, meiner Meinung nach (noch) schönere Teil der Stadt ist. Das habe ich diesmal nachgeholt!

Das wichtigste Radio Israels...

Unsere erste Station war der Armeesender Galey Zahal und der Musiksender Galgalatz, beide in einem Gebäude in Tel Aviv untergebracht. Der Großteil der Mitarbeiter dort sind junge Soldaten. Die Vorstellung, dass 18-jährige ohne Ausbildung direkt nach der Schuleihre eigene Show moderieren, und damit bis zu 36% der israelischen Bevölkerung erreichen, ist ziemlich beeindruckend. Sowieso sind bis auf drei, vier Mitarbeiter alle dort maximal 21, aber die hohe Quote bestätigt wohl das dies kein Nachteil ist.

 

Wir wurden sehr freundlich empfangen und durch alle Abteilungen geführt, wo uns immer wieder Soldaten ihre Arbeit erklärt und Fragen beantwortet haben. Zum Abschluss wurden wir mit Essen überhäuft, worüber man sich als Volontär ja immer freut, und von Yoram, der uns zusammen mit Inbal durch den Sender führte, an den Strand von Yaffo geführt.

Ein Wort zur Unabhängigkeit des Senders: Sowohl Galey Zahal als Talksender als auch Galgalatz werden von der IDF (Israeli Defense Force) betrieben. Würde die Bundeswehr in Deutschland einen Sender betreiben, wäre das Vertrauen der Bevölkerung in die Unabhängigkeit der Berichterstattung wohl eher gering. In Israel wird hingegen gerade dieses Detail als Beweis für die Objektivität des Senders verstanden - zumindest bei der jüdischen Bevölkerung. Ein weiterer Beleg für die gigantischen Unterschiede zwischen Israel und Deutschland im Umgang mit seinem Militär.

Wie auch immer, es war sehr beeindruckend selbst in den Aufnahmeraum mitgenommen zu werden (während einer Livesendung!) und zu sehen, dass fünf junge Soldaten bestimmen, was ein Drittel der Bevölkerung für Musik hört beim Autofahren.

In den sterbenden Dschungel müsst ihr gehen...

Unser nächster Programmpunkt: Eine Street-Art-Tour mit Guy Sharett. Guy ist ein sehr faszinierender Mensch. Als studierter Soziolinguist hat er nach zwei Jahren bei Google angefangen, einen Podcast über Hebräisch zu produzieren, und seine Sprachvorliebe mit Touren durch die Straßen des Hipster-Viertels Florentin zu kombinieren.

Ursprünglich berühmt für seine Sofa-Werkstätten, ist Florentin heute ein bei Hipstern und Künstlern beliebtes Viertel. Ein Drittel des Gebiets wurde jedoch schon aufgekauft und soll bald zu Wohntürmen umgebaut werden, denen die alten Tischlereien und Wandkunstwerke dann weichen müssen, und auch der Rest des Viertels wird nicht ewig bleiben. Ähnliche Gentrifizierungsprozesse kennen wir ja leider auch aus deutschen Großstädten.

Buchstäblich jede Ecke dort ist von Künstlern bearbeitet worden. Im Dschungel der Gassen gibt es überall etwas zu entdecken, und ich kann jedem einen Besuch dort nur empfehlen. Auch die selbsterklärt kleinste Gallerie der Welt steht in Florentin.

Auch bei "meinen" Journalisten hat Guy´s Tour einen guten Eindruck hinterlassen. Haltet mal bei Cosmo nach einem Beitrag über ihn Ausschau... sollte auf der Website ein Video-Interview mit ihm auftauchen, ich habe das Mikro gehalten.

Das tolle Programm und unsere sehr sympathische Reisegruppe haben diesen Ausflug zu einem sehr schönen Tag gemacht! BTW, wir hatten 23° C... Und ihr so?

Akko, ein Ruinenhaufen mit Hummus

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Seit meinem letzten Beitrag ist schon etwas Zeit vergangen. Je nach Chaos-Level bei der Arbeit habe ich manchmal halt nicht die Zeit etwas zu schreiben (und manchmal passiert auch einfach nichts lesenswertes). Als kleine Entschädigung war ich dieses Wochenende an einem selbst für Israel-Verhältnisse alten und beeindruckenden Ort: Akko.

Ruinen auf Ruinen

Akko ist ziemlich, ziemlich alt. Anders als Haifa, das erst vor ca. 200 Jahren bedeutender wurde, haben sich um Akko schon vor mehr als 2000 Jahren Menschen geprügelt. Die älteste Erwähnung der Stadt stammt noch aus der Blütezeit Ägyptens (Danke, Wikipedia)! Diese Geschiche sieht und fühlt man in der Stadt. Die Altstadt besteht quasi aus einer Kreuzritter-Burg, auf deren Ruinen später die islamischen Herscher eine Festung bauten, auf deren Ruinen später die heutige Stadt entstand...

Die Stadt ist also quasi eine historische Schichttorte, und je tiefer man gräbt, desto älter die Mauern. Besonders beeindruckend ist die Hafenbucht, aus der noch die Fundamente der Kreuzritter-Burg aufragen.

Mehrere alte Kirchen und Moscheen vervollständigen den Traum jedes Historikers.

Manche Besucher scheinen dieses Erbe allerdings auf sehr seltsame Art und Weise gewürdigt zu haben...

Das beste Humus Israels?

In Haifa hat Akko die Hummus-Weltmeisterschaft gewonnen. Die Mehrheit der Israelis hier denken als erstes an Essen wenn es um Akko geht, und dann erst an die 3000 Jahre alte Geschichte. Sobald man die Umgebung der Stadt verlässt gilt zwar direkt ein beliebiger anderer Ort als Hummus-Meister, aber ich denke mal das funktioniert hier ähnlich wie der Wettbewerb ums beste Bier in Deutschland. Natürlich wollte ich trotzdem selbst testen, und habe mir von meinem Chef Amir eine Hummus-Quelle empfehlen lassen. Mir fehlt noch die Expertise, um das (?) Hummus im nationalen Ranking einzuordnen, aber es hat auf jedenfall gut geschmeckt.

Endlich Flachland!

Akko hat mir sehr gut gefallen, wozu neben der Geschichte und dem Essen noch ein weiterer Aspekt beigetragen hat: Akko ist flach. Obwohl ich mich an die Hügel Haifas gewöhnt habe, bleibe ich doch im Herzen ein Kind der Ebene...

Der Hügel am Horizont ist übrigens Haifa!

Ein Hippie-Camp im Nationalpark

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Dieses Wochenende war ich zusammen mit Laura, einer der Freiwilligen die ich letzte Woche in Kfar Saba besucht habe, im Carmel Nationalpark wandern. Davor fand jedoch von Mittwoch auf Donnerstag ein weiteres Fest statt (Shanah Tova), zu dem mich meine "Ober-Chefin" Silvi zum Essen eingeladen hat.  Mehr dazu und unseren Begegnungen mit Hippies, Hipstern und Hitchhikern in diesem Beitrag!

Shanah Tova first, Nationalpark second!

Shanah Tova markiert das Ende der momentanen Feiertagssaison. An Shanah Tova wird die Tora-Lesung des letzten Jahres beendet, und die Lesung des neuen Jahres begonnen. Aus diesem Anlass wird in den Synagogen getanzt und gefeiert, und wie bei fast jedem Fest ausgiebig gegessen. Silvi, quasi die Chefin meiner Chefs und fantastische Ansprechpartnerin für alle Freiwilligen, hat Claudia, Claudias Vor-Vorgängerin Bettina und mich spontan eingeladen und spontan ein kleines Bankett auf die Beine gestellt. Silvis Mann Igal hat uns von seiner Übernachtung in der Laubhütte nach Sukkot berichtet, und so hatten wir einen sehr schönen Abend.

Wo parken im Nationalpark?

Donnerstagabend, nachdem die Züge wieder rollten, ist Laura dann in Tel Aviv angekommen. Am Freitagmorgen sind wir mit dem Bus zur Universität von Haifa, dem Technion, gefahren. Von dort konnten wir einen ersten Blick auf die Hänge des Nationalparks werfen. Der "Carmel National Park" zieht sich von Haifa durch das ganze Carmelgebirge nach Süden, und besteht größtenteils aus strauchigen Hügeln und bewaldeten Wadis (Schluchten), immer mit Blick auf das Mittelmeer. Nachdem wir einen Weg aus dem Unigelände gefunden hatten, sind wir selbst eingetaucht in das Schluchtengewirr des Parks.

Unser Plan bestand im wesentlichen daraus, irgendwie einen Campingplatz zu finden, und am Samstag dann irgendwie zurück nach Haifa. Obwohl die Wanderwege sehr gut ausgeschildert sind, sucht man eine Übersichtskarte in Israel vergeblich. So haben wir uns mit einer Mischung aus Gefühl und Google Maps zurechtgefunden.

An diesem ersten Tag, in unmittelbarer Nähe zu Haifa, begegneten uns ziemlich häufig andere Wanderer. Insbesondere Pfadfindergruppen waren immer mindestens zu zweit in einem Wadi unterwegs, sodass es meistens etwas weniger still war als erwartet. Die Wege führten uns, teilweise mit kleinen Klettereinlagen, durch mehrere Schluchten in Richtung Beit Oren. Unser Ziel, der Campingplatz, sollte irgendwo in unmittelbarer Nähe dieses ehemaligen Kibbuz liegen.

Mitten in einer sehr engen Schlucht begegnete uns dabei dieses ungewöhnlich geparkte Fahrzeug. Die Schlucht war definitiv zu eng zum Autofahren, wer auch immer diesen Wagen dort hin gesteuert hat, ich hoffe er ist ausgestiegen bevor das Auto abgestürzt ist!

Hippies und Hipster

Am späten Nachmittag erreichten wir den Campingplatz. Dafür das wir ziemlich ohne Vorwissen diesen Ort ausgesucht hatten, haben wir ziemlich Glück gehabt. Das Personal des Platzes bestand größtenteils aus israelischen Freiwilligen. Die ganze Anlage hatte etwas hippiehaftes, unter anderem gab es ökologische Sanitäranlagen (=das Wasser wurde vor Ort wiederverwendet) und kleine Gartenflächen überall. Zum ersten Mal in Israel habe ich den Versuch einer Mülltrennung gesehen! Die Gäste haben das Konzept leider nicht wirklich verstanden, deswegen lag trotzdem auch im Kompost- und Glas-Container Plastik. Israelis sind keine guten Umweltschützer!

Die meisten Gäste waren junge Familien aus Tel Aviv, wohlhabend und hip. Es war ziemlich lustig als mich ein 40-Jähriger, erfolgreicher Architekt mit Kindern fragte, ob Fleisch in den organischen Müll gehört oder nicht doch zum Plastik. Wie gesagt, Israelis und Umwelt ist eine Geschichte für sich. Am Lagerfeuer sorgte unser Alter für Gesprächsstoff, da Israelis erst ihren Militärdienst absolvieren müssen nach der Schule.

Obwohl wir etwas gemütlicher hätten schlafen können, war der Campingplatz ein echter Glücksgriff. Uns wurde sogar angeboten, beim nächsten Mal für etwas Arbeit umsonst dort zelten zu dürfen. Wenn ich das nächste Mal wandern gehe, weiß ich wo ich zelte!

Irrungen, Wirrungen

Da wir am Vortag mit einem guten Zeitpuffer das Camp erreichten, wollten wir auf dem Rückweg einen kleinen Schlenker zu einem Aussichtspunkt machen, von dem Laura gehört hatte. So wanderten wir ein Stück weiter nach Süden auf den Berghängen, und wollten dann vom Aussichtspunkt zum Meer hinab. Leider fanden wir den Aussichtspunkt jedoch nicht. Dafür konnten wir aber auch vom Wanderweg aus einen guten Blick auf das Meer bekommen. In diesem Gebiet standen noch viele verkohlte Bäume, vermutlich vom letzten Waldbrand vor ein paar Jahren. Bei diesem Feuer kamen einige Menschen ums Leben und ein Großteil der Grünflächen brannte ab, große Teile der Flora hatten sich aber bei unserem Besuch schon regeneriert.

Irgendwann gaben wir die Suche nach der Aussichtsplattform auf. Der Weg zum Meer stellte uns vor einige Herausforderungen, und wir sind auf einem Berghang in eine Sackgasse gelaufen und mussten die Strecke zweimal wandern. Schlußendlich standen wir 200 Meter vom Strand entfernt - und zwischen uns eine Bahntrasse ohne Übergang weit und breit. Nach diesem Schlag entschlossen wir uns zur Rückkehr nach Haifa via Tramping (wir waren mittlerweile in bewohntem Gebiet angelangt). Überraschenderweise gabelte uns schon nach fünf Minuten ein Autofahrer auf. Er meinte, wir sähen nicht wie Araber aus, deshalb würden Leute auch anhalten. Außerdem hätten ihm in Deutschland auch Leute geholfen, jetzt wolle er den Gefallen erwiedern.

Während der anstrengenden Wanderung hatten wir irgendwann begonnen, uns mit der Vorstellung von Milchnudeln zu mobilisieren. Glücklicherweise hatte der arabische Supermarkt beim Molada noch auf, und so konnten wir diesen Tagtraum auch umsetzen. So fand unser schöner Ausflug einen passenden Abschluß. Den Carmel Nationalpark kann ich nur empfehlen!

Auf nach Tel Aviv!

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Wie ich bereits subtil angedeutet habe, war mein Plan für dieses Wochenende mein erster größerer Ausflug - Ich habe eine Freiwilligen-WG in Kfar Saba besucht, einem Vorort von Tel Aviv! Von dort aus bin ich dann weiter ins Herz der "Stadt der Jugend" vorgestoßen.

´Tschuu tschuu!!!

Von Mittwoch bis Donnerstag war bei uns ein weiteres Fest, Sukkot. Bei diesem "Laubhüttenfest" bauen die Juden in ihren Gärten in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten die namensgebenden Strohunterstände auf. Diese bleiben dort eine Woche, bis zum "Simchat Tora". Dieses Fest erkläre ich euch aber erst, wenn´s soweit ist. In dieser Feiertagssaison kommt man gar nicht mehr hinterher mit seltsamen Bräuchen und gastfreundlichem Essen.

Am Mittwoch habe ich bereits meinen ersten Besucher empfangen. Frederick vom DRK aus Rishon hat bis zum Samstag in meinem Zimmer übernachtet. Eigentlich wollten wir am Mittwochabend noch etwas unternehmen, aber dem armen ging es leider nicht so gut. Natürlich freue ich mich trotzdem immer über Gäste, und Gastfreundschaft zahlt sich schließlich für jeden Freiwilligen aus.

Da an den Feiertagen (mal wieder) wenig los war auf den Straßen, bin ich erst am Donnerstag mit dem ersten Zug nach Kfar Saba gelangt - um 20 Uhr. Abgesehen von den Metalldetektoren und den Ticketpreisen (viel billiger als in Deutschland) unterscheidet sich Zugreisen in Israel nicht allzu sehr von Deutschland. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass die Züge hier das gleiche Modell  wie die REs in Deutschland sind. Gegen 21:30 Uhr bin ich dann bei meinen Mitfreiwilligen in Kfar Saba angekommen.

Unsere barmherzigen Samariter

Meine Gastgeber wohnen zu fünft (hoffentlich habe ich mich nicht verzählt!) auf dem Gelände ihrer Arbeitsstelle in einer Wohnung. Von den WGs die ich bisher zu sehen bekommen habe (bzw. von denen mir erzählt wurde) ist diese definitiv die komfortabelste. Keine zweifelhaften Sanitäranlagen, kein Ungeziefer und sogar reichlich Platz für alle! Dank dem letzten Punkt war ich nicht der einzige Gast. Nick aus Rishon LeZion und Julian aus Jerusalem waren ebenfalls zu Besuch, und so hatten wir eine ziemlich nette Runde. Danke nochmal an unsere lieben Gastgeber, die trotz ihrer Arbeitszeiten gleich drei(!) Gäste gleichzeitig aufgenommen und sogar noch mit Essensresten aus der Einrichtung versorgt haben!

Unsere Gastgeber arbeiten alle in der gleichen  Einrichtung für Autisten, und helfen bei der Betreuung der "Friends". Im Vergleich mit meinen Aufgaben ist die Behindertenbetreuung allerdings etwas actionreicher!

Der Tel Aviv- Standard

Meinen ersten Ausflug nach Tel Aviv habe ich gegen Freitagmittag begonnen. Von der Busstation aus bin ich zuerst auf den Carmel-Markt gestoßen. Damit bin ich der touristischen Standardtour gefolgt. Obwohl der verwinkelte Markt mit seinen vielen Ständen und Schaustellern wirklich sehenswürdig ist, hat mich doch etwas gestört dass ich dort fast mehr Deutsch als Hebräisch gehört habe.

Durch die tunnelartigen Gassen des "Shuk" (Markt) bewegte ich mich auf den Tel Aviver Stadtstrand zu. Der Strand ist genau so cool wie der in Haifa, hat allerdings einen anderen "Vibe" durch seinen urbanen Charakter. Tel Aviv merkt man einfach an das es eine richtige Großstadt ist, kein 200.000 Seelen-Städtchen wie Haifa.

Meine temporäre Heimat ist zwar dank der Universität hier schon sehr jugendlich geprägt, kann jedoch an Hipstertum mit Tel Aviv nicht mithalten. Zufälligerweise war Melanie auch dieses Wochenende in Tel Aviv, und anscheinend fühlt diesen Unterschied nicht nur ich.

Ein außergewöhnlicher Abend!

Am Freitagabend, also zu Beginn des Shabbat (im Judentum beginnt und endet ein Tag Abends),  wird traditionell ein Shabbatmahl veranstaltet. Unverhoffterweise haben die Mitarbeiter der Einrichtung alle Freiwilligen eingeladen, mit ihnen und den Friends draußen in der Laubhütte an diesem Essen teilzunehmen - auch uns Gäste! Nick war schon abgereist, Julian und ich jedoch sind der Einladung gerne gefolgt. Ich als einziger Freiwilliger ohne Erfahrung mit den Friends (Julian hat sogar schon eine Ausbildung in dem Bereich) war vor meinem ersten Kontakt ziemlich nervös. Was, wenn ich einen der Friends aus Versehen aus seiner Routine werfe, oder ich eine geklatscht bekomme (das kommt wohl häufig vor)???

Meine Angst war jedoch unbegründet. Die "Friends" waren alle sehr lieb, und ich fand ihr Verhalten extrem spannend. Meistens sind sie einfach ziemlich kindisch, und das ist ziemlich süß. Die "Worker" waren sehr nett, und unsere "Volunteers" kann man gar nicht genug loben.

Das Shabbat-Mahl zeichnet sich dadurch aus, dass männliche Juden eine Kippa tragen, am Anfang ein Glas "Wein" (Traubensaft) getrunken wird, und sehr leckeres Brot gegessen wird. Daneben gibt es das wie gewohnt gute Feiertagsessen. Wenn die Feiertagssaison nicht bald endet, platze ich irgendwann vor lauter Braten und Humus.

Mein erster Shabbat-Abend zusammen mit den Friends - dass werde ich nicht so schnell vergessen!

Rastafari und das Bahnhofsviertel

Da an Shabbat erst ab 16 Uhr die ersten Busse wieder fahren, habe ich mich am Samstagvormittag dem gepflegten Nichtstun gewidmet. Die Zeit zwischen dem ersten Bus und dem letzten Zug (circa fünf Stunden) habe ich am Abend nochmal in Tel Aviv verbracht. Dank Secret Tel Aviv, der wichtigsten Website für alle Besucher Tel Avivs, habe ich auf dem Rothschild-Boulevard noch eine Reggae-Session besucht.

Schließlich bin ich zu einem der Bahnhöfe Tel Avivs aufgebrochen, um meinen Ausflug zu beenden. Das Viertel um die Gleise hat sich wahnsinnig vertraut angefühlt, und hatte was vom Worringer Platz in Düsseldorf. Bahnhöfe scheinen wirklich überall gleich zu sein, und obwohl es deutlich schickere Gegenden gibt, habe ich doch eine Vorliebe für diese Stadtteile.

Wasser!

Vom Bus habe ich mich in Haifa quasi direkt ins Bett fallen lassen. Mein erster Ausflug hat mir total Spaß gemacht und ich habe sehr viel neues, interessantes gesehen. Müde ist man am Ende dann trotzdem.

Gestern hat es zum ersten Mal geregnet in Haifa. Kälter ist es jedoch noch nicht geworden, das Tropenfeeling hält also an. Ich hoffe, auch meine nächsten Ausflüge werden durch meine sympathischen Mitfreiwilligen und die bloße Faszination Israels genauso fantastisch wie mein erster!

Jom Kippur und die Bedeutung des Nichts-Tun

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Nach Rosh Hashanah findet dieses Wochenende das zweite und wichtigste Fest der Feiertagssaison statt: Jom Kippur. Es beendet die zehntägige "Zeit der Reue und Umkehr" zwischen den beiden Feiertagen. Ich verbringe auch diesen Feiertag hier in Haifa.

Tun oder Nichts Tun?

So langsam habe ich das Gefühl, dass Judentum zu verstehen. Es gibt keine andere Religion, in der man so wenig tun soll wie im Judentum. Nicht nur, dass schon jedes Wochenende nur alle zwei Stunden ein Bus fährt. An Feiertagen geht es weniger darum, einen Baum aufzustellen oder Eier zu suchen, sondern eher darum, sich nicht zu bewegen oder zu kochen oder zu essen oder irgendwas zu machen. Die Regeln sind im Prinzip die Gleichen wie an Shabbat, nur darf man noch etwas weniger Tun. Tags wird gefastet, und Sex ist auch verboten. Ansonsten ist der einzige Unterschied, dass sich auch säkuläre Juden an die Regeln halten. An Jom Kippur sieht man, wie es in Israel jeden Samstag aussähe, wenn alle Juden orthodox wären.  Da alle Fasten und dementsprechend gereizt sind, wurde mir eindringlich dazu geraten, draußen nicht zu essen oder zu trinken.

Totenstille...

Seit Freitag Abend ist Autofahren untersagt, und nun ist die Stadt still wie ein Kartoffelacker. Selbst Unfälle scheinen seltener an Jom Kippur, die letzte Sirene habe ich vor Stunden gehört. Nur ein paar Araber fahren ab und zu durch die Straßen und treiben die Fußgänger und Fahrradfahrer auf den Bürgersteig zurück. Eine Großstadt so leise zu sehen ist etwas gespenstisch, und passt vom Setting super in jeden Zombie-Film. Es ist erstaunlich, wie wichtig die Geräuschkulisse für das Feeling einer Stadt ist. Obwohl ich als Stadtkind den Autolärm kaum bewusst wahrgenommen habe, ist die jetzige Stille dröhnend.

Ein bisschen Geschichte

Den Stillstand der israelischen Gesellschaft an Jom Kippur haben sich 1973 auch Syrien und Ägypten zu Nutze machen wollen. Im Jom-Kippur-Krieg wurde die IDF (Israel Defense Force) kalt erwischt. Letztlich haben die Israelis allerdings auch diesen Krieg (der vierte arabisch-israelische) gewonnen. Seitdem bleibt die IDF auch an Jom Kippur in voller Bereitschaft.

Obwohl mir der religiöse Einfluss auf die israelische Gesellschaft etwas suspekt ist, halte ich die Relevanz der Religion für die Menschen hier für bewundernswert. Mir ist die Säkularisierung Deutschlands erst hier in Israel völlig deutlich geworden.

Dieses Jahr feiere ich zweimal Neujahr…

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Der jüdische Kalender richtet sich nicht nach der Sonne, sondern nach dem Mond. Das jüdische Neujahrsfest, Rosh Hashanah, findet dieses Jahr vom 20. bis 22. September statt. Ich hatte die Ehre, bei einem meiner Kollegen zur Familienfeier am ersten Neujahrsabend eingeladen zu sein. Zeitgleich ist bei uns im Molada eine religiöse Familie zu Gast. So konnte ich einen Einblick in  die unterschiedlichen Neujahrstraditionen gewinnen.

Yair und seine Familie

Mein Kollege Yair ist nicht ständig im Beit Rutenberg, sondern arbeitet als IT-Fachmann für mehrere Institutionen in Haifa. Ohne das wir länger Kontakt hatten, hat er mich quasi direkt nach unserem Kennenlernen eingeladen mit seiner Familie Rosh Hashanah zu feiern. Diese Spontanität ist typisch für Israelis. Da ich das erste mal bei einem Israeli eingeladen war, war ich ganz schön nervös im Vorfeld, und habe meinen Chef Amir nach möglichen Fettnäppchen befragt - schließlich wollte ich Yairs großzügige Einladung nicht mit irgendeinem ungewollt gestörten Ritual oder so vergelten. Zum Glück scheint es aber an Rosh Hashanah keine größeren Rituale zu geben, sodass ich wenig falsch machen konnte.

Yair wohnt in einer Wohnung auf einem der anderen Berghänge Haifas, sodass ich von mir (auf dem Carmelberg) ein Taxi nehmen musste. Ich traf als zweiter Gast ein. Neben seiner Frau und einer seiner zwei Töchter hatte Yair noch die Eltern seiner Frau, die Schwester seiner Schwiegermutter, den Bruder seiner Frau und dessen Mann sowie deren zwei Kinder eingeladen. Wie in Deutschland an Weihnachten, Ostern oder Sylvester ist Rosh Hashanah ein Fest, an dem sich die ganze Verwandschaft trifft. Yairs älteste Tochter konnte allerdings nicht kommen, da sie gerade ihren Dienst in der Army ableistet, und einer Einheit an der ägyptischen Grenze zugeordnet wurde. Seine jüngere Tochter leistet ebenfalls ihren Dienst, hatte jedoch das Glück einer IT-Einheit in Haifa zugeteilt zu werden.

Mit Yairs Schwiegervater habe ich mich über die Mentalität in Deutschland und Israel unterhalten, seine kleine Nichte lernt gerade Englisch und hat genau so schüchtern "Thanks" gesagt wie ich das hebräische "Toda". Seine Tochter hat mir von ihren Besuchen in Bremen erzählt, und der Mann seiner Schwägerin (ein Polizist) hat mich entgeistert gefragt, warum ich bitte nach Israel kommen wollte! Ich denke manchmal, die Israelis müssten einmal in der Nordsee baden, um zu wissen warum Freiwillige nach Israel wollen. Die Atmosphäre eines Familienfestes ist glaube ich überall ähnlich. Die Lautstärke der Gespräche ist ziemlich genau auf dem Level eines Wedding-Familientreffens gewesen, und der Umgang miteinander hat mich ebenfalls an meine Onkel erinnert 😉

Auch Neujahr, aber nicht Sylvester

Rosh Hashanah findet zwar aus demselben Anlass statt wie Sylvester, hat jedoch eine etwas andere Relevanz als bei uns. Das jüdische Neujahr ist generell etwas ernster. An Rosh Hashanah soll Gott Gericht halten über die Menschen. Die Taten einer Person an Rosh Hashanah sollen deshalb sein Schicksal für das ganze Jahr beeinflussen. Das Prinzip ähnelt etwas unseren Neujahrsvorsätzen, allerdings nehmen Israelis ihr Verhalten vielleicht etwas ernster (und brechen nicht nach einer Woche alle Vorsätze). Anders als an Sylvester gibt es kein Feuerwerk - das ist allerdings in Israel sowieso selten, um die Raketenabwehrsysteme nicht zu verwirren.

Ich hatte mit Yairs Schwiegereltern ein sehr interessantes Gespräch, in dem sie mir die unterschiedlichen Neujahrsrituale erklärten. Die Einhaltung dieser Traditionen hängt jedoch stark davon ab, wie religiös eine Familie ist. Yairs Verwandschaft ist eher unreligiös, obwohl sie aus Tradition einige Bräuche beibehalten. Yairs Schwiegervater hat vor dem Essen einige traditionelle Rosh Hashanah-Gebete rezitiert. Außerdem haben wir Äpfel mit Honig gegessen, ein Symbol dafür, dass das neue Jahr süß werden möge.

In den Synagogen wird normalerweise am letzten Neujahrsmorgen ein spezielles Horn geblasen, das Shofar-Horn. Da dieses Jahr der Morgen jedoch auf einen Freitag fällt, entfällt das Horn, da an Shabbat ja nicht gearbeitet werden darf.

Das Essen...

Ich muss einfach noch ein bisschen vom Essen schwärmen. Yair ist ein fantastischer Koch, und ich werde wahrscheinlich selten hier so gut essen dürfen wie bei ihm. Ein komplettes Vier-Gänge-Menü mit Suppe, Vorspeisen, verschiedenen Salaten, Braten, einem Hähnchen... Himmlisch. Und zu allem Überfluss so reichlich, dass wir mit 12 Personen nur einen Bruchteil jeden Ganges vertilgen konnten. Yairs Frau hat mir einen Bruchteil des Desserts eingepackt, und ich kann mich jetzt wohl tagelang von marrokanischen Zuckerblättern und Windbeuteln ernähren!

Durch Zufall war mein kleines Dankeschön, ein Wein, wohl ziemlich gut (oder alle zu höflich, um mir etwas anderes zu erzählen). Also, sollte irgenwann jemand von euch zu einem jüdischen Neujahrsfest eingeladen werden, nehmt auf jedenfall an.

Ein Rabbi vor der Tür!

Über Rosh Hashanah haben wir auch einen Rabbi mit seiner Familie zu Gast in Molada. Das ist mein erster näherer Kontakt mit wirklich religiösen Juden, und auf den ersten Moment schon etwas befremdlich. In unserer Küche steht jetzt eine dauerhaft laufende Kochplatte, da unsere Gäste an den Feiertagen kein Licht erzeugen dürfen.

Die Glühbirne im Kühlschrank ist ausgeschraubt, und das Küchenlicht ist dauerhaft an. Der Rabbi betet sehr häufig und ist ein echt netter Typ. Seine Frau natürlich auch, berührt jedoch keine fremden Männer - das war etwas seltsam als ich ihr zur Begrüßung die Hand schütteln wollte! Die beiden haben zwei kleine Söhne, deren Spiele das Gästehaus etwas belebter machen.

Unser Gast hat mir übrigens vor meiner Abfahrt zu Yair ebenfalls gesagt der Wein in meiner Hand sei sehr gut, vielleicht hatte ich also tatsächlich Glück. Auch wenn ich unsere Gäste sehr sympathisch finde, fällt es mir schwer, eine derart religiös geprägte Lebensweise nachzuvollziehen. Dennoch finde ich beeindruckend, das religiöse Juden wie unsere Gäste und säkuläre Familien wie die von Yair dieselben, Jahrtausende alten Grundrituale befolgen.