Ein typischer Arbeitstag

Veröffentlicht 2 KommentareVeröffentlicht in Israel

Bisher habe ich ja vor allem über meine Ausflüge und anderen "besonderen" Erlebnisse geschrieben. Mein "normaler" Alltag schien mir da im Vergleich immer etwas belanglos. Weil ich aber immer wieder gefragt werde, was ich denn eigentlich genau hier mache, möchte ich hiermit mal den weniger exotischen Teil meines Aufenthalts in Israel beleuchten. So wird vielleicht etwas klarer, wofür ich hier eigentlich mein Zimmer bekomme und warum meine Ausflüge mir gerade im Kontrast zu einem "langweiligen" Arbeitstag so berichtenswert scheinen.

Zwei Sachen vorweg: Obwohl auch hier die Arbeit schnell zum Alltag wurde, gefällt mir mein Job weiterhin sehr gut. Und für alle, die sich für ein Auslandsjahr bewerben und hier nach Tipps suchen: Mein Job ist relativ untypisch für Volontäre, daher haben viele Freiwillige einen ganz anderen Tagesablauf. Ich empfehle euch mal bei Melanie oder Laura vorbeizuschauen, deren Arbeitsalltag vielleicht etwas weiter verbreitet ist.

Der Wecker klingelt generell zu früh

An den meisten Tagen muss ich um 9.00 Uhr im Institut sein, +/- eine Stunde. Weil ich (typisch deutsch) übervorsichtig bin, stehe ich immer schon anderthalb Stunden früher auf. Lieber bin ich schläfrig als gehetzt, und so habe ich wenigstens immer noch Zeit um in Ruhe meinen Kaffee zu schlürfen. Nachdem ich endlich fertig bin mit Kaffee Nr. 1, Essen, Duschen, Kaffee Nr. 2, etc., Komme ich kurz vor knapp im Rutenberg-Institut an.

Zuerst steuere ich auf das Medienzentrum zu, und öffne gegebenenfalls das Gebäude. Meinen Rucksack mit Laptop - und mittlerweile leider Regenjacke, der Winter hat jetzt auch hier begonnen - lasse ich auf meinem Stuhl im Büro meines Chefs Amir stehen. Dann nehme ich die Ordner mit den Anwesenheitslisten der Klassen vom Vortag und bringe sie rüber zu Michal, unserer Mitarbeiterin im Hauptbüro. Dort tausche ich die alten gegen die neuen Ordner, und mache einen Umweg zur Küche. An manchen Tagen bekommt ein Robotik-Kurs auf unserem Gelände nämlich Sandwiches von mir geliefert.

Silvi, Seminar oder Saulangweilig

Ich entschuldige mich in aller Form für diese Zwischenüberschrift.

Da die meisten Schulklassen erst nachmittags eintreffen, helfe ich Vormittags - zumindest zur Zeit - meistens der Chefin unserer deutschen Abteilung, Silvi. Das ist größtenteils Schreibtischarbeit, also Mails schreiben, Buchungen für unser Gästehaus bearbeiten, Visa-Unterlagen organisieren...

An Seminartagen helfe ich bei der Betreuung der Gruppen und begleite sie zu manchen Aktivitäten. Bei unserem aktuellen Seminar habe ich zum Beispiel die Tour durch die Bahai-Gärten mitgemacht, dazu an einem anderen Tag mehr.

Manchmal gibt es aber einfach nichts zu tun, sodass ich mir bis zum Mittagessen die Zeit mit sinnvollen Hobbys wie C# lernen oder oder mit meinem Raspberry Pi experimentieren vertreibe. Natürlich lasse ich mich niemals ablenken durch unsinniges Zeug aus den kreativen Abgründen des Internets.

3, 2, 1, Action!

Wenn die Klassen eintreffen, helfe ich im Durcheinander der eintreffenden Schüler erst einmal beim Einrichten von Computern oder Kopiere diverse Arbeitsblätter. Im Laufe der Stunden helfe ich Schülern dann beim Drehen und verzögere die Zerstörung unseres Equipments, oder unterstütze manche Gruppen bei der Arbeit mit unserem Filmschneide-Programm, Adobe Premiere.

Am Ende der Stunden sammle ich die verteilten Kamerasets wieder ein, sortiere Mikro-Kabelsalate und sichere die Aufnahmen des Tages auf einer Festplatte. Meistens bin ich der letzte der das Zentrum verlässt, ca. um 17.00 Uhr. Zum Abschluss laufe ich noch einmal durch alle Räume und gehe sicher das alle Lichter aus und Fenster zu sind. Danach schließe ich das Medienzentrum wieder ab, und genieße meinen Feierabend (sofern keine Gäste mit ihrem Zimmer unzufrieden sind oder drei Handtücher brauchen).

Das ist mein typischer Arbeitstag. Mir macht mein Alltag sehr Spaß. Obwohl es manchmal etwas langweilig ist, und manchmal viel zu hektisch, wird es nie eintönig. Meine super netten Kollegen und abwechslungsreichen Gäste tuen ihr übriges. Nicht wirklich anders als bei anderen Freiwilligen, denke ich, egal ob in Deutschland, Israel oder sonstwo. Wir sind zwar unqualifiziert, aber dafür motiviert, und irgendwer muss den Job ja machen 😉

Akko, ein Ruinenhaufen mit Hummus

Veröffentlicht 3 KommentareVeröffentlicht in Israel, Tagebuch

Seit meinem letzten Beitrag ist schon etwas Zeit vergangen. Je nach Chaos-Level bei der Arbeit habe ich manchmal halt nicht die Zeit etwas zu schreiben (und manchmal passiert auch einfach nichts lesenswertes). Als kleine Entschädigung war ich dieses Wochenende an einem selbst für Israel-Verhältnisse alten und beeindruckenden Ort: Akko.

Ruinen auf Ruinen

Akko ist ziemlich, ziemlich alt. Anders als Haifa, das erst vor ca. 200 Jahren bedeutender wurde, haben sich um Akko schon vor mehr als 2000 Jahren Menschen geprügelt. Die älteste Erwähnung der Stadt stammt noch aus der Blütezeit Ägyptens (Danke, Wikipedia)! Diese Geschiche sieht und fühlt man in der Stadt. Die Altstadt besteht quasi aus einer Kreuzritter-Burg, auf deren Ruinen später die islamischen Herscher eine Festung bauten, auf deren Ruinen später die heutige Stadt entstand...

Die Stadt ist also quasi eine historische Schichttorte, und je tiefer man gräbt, desto älter die Mauern. Besonders beeindruckend ist die Hafenbucht, aus der noch die Fundamente der Kreuzritter-Burg aufragen.

Mehrere alte Kirchen und Moscheen vervollständigen den Traum jedes Historikers.

Manche Besucher scheinen dieses Erbe allerdings auf sehr seltsame Art und Weise gewürdigt zu haben...

Das beste Humus Israels?

In Haifa hat Akko die Hummus-Weltmeisterschaft gewonnen. Die Mehrheit der Israelis hier denken als erstes an Essen wenn es um Akko geht, und dann erst an die 3000 Jahre alte Geschichte. Sobald man die Umgebung der Stadt verlässt gilt zwar direkt ein beliebiger anderer Ort als Hummus-Meister, aber ich denke mal das funktioniert hier ähnlich wie der Wettbewerb ums beste Bier in Deutschland. Natürlich wollte ich trotzdem selbst testen, und habe mir von meinem Chef Amir eine Hummus-Quelle empfehlen lassen. Mir fehlt noch die Expertise, um das (?) Hummus im nationalen Ranking einzuordnen, aber es hat auf jedenfall gut geschmeckt.

Endlich Flachland!

Akko hat mir sehr gut gefallen, wozu neben der Geschichte und dem Essen noch ein weiterer Aspekt beigetragen hat: Akko ist flach. Obwohl ich mich an die Hügel Haifas gewöhnt habe, bleibe ich doch im Herzen ein Kind der Ebene...

Der Hügel am Horizont ist übrigens Haifa!