Ein Philipine auf Abwegen – Eine kleine Anekdote

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Die kleine Anekdote, die ich erzählen möchte, ist nicht sonderlich außergewöhnlich oder einzigartig. Als Geschichte eines Einwanderers, der sich irgendwie durchschlägt, ist sie aber kennzeichnend für das Einwanderungsland Israel. Und schließlich geht es in diesem Blog ja um meine persönliche Sicht der Dinge - da mir diese Geschichte also gefällt, werde ich sie auch erzählen.

Ein verdächtiges Paket...

Noch herrscht bei uns sommerliches Wetter, und bevor der "Winter" einbricht, wollte ich den Strand so oft besuchen wie möglich. Nach einigen Stunden sonnen und baden habe ich mich auf den Weg zur Busstation gemacht, um den letzten Bus nach oben zu erwischen.

An der Station steht ein Mann mit Sonnenbrille und einem Lastenträger voller Pappkartons. Oben ragen ein paar Snickers raus. Nach einigen Minuten spricht er mich an und bittet mich, kurz auf seine Last aufzupassen. Während er zur Toilette sprintet, überlege ich kurz ob Terroristen ihre Bomben mit Snickers tarnen würden. Nach reiflicher Überlegung komme ich zu einem "Vielleicht...?", aber da ist der Eigentümer der Kartons schon wieder zurück. Keine Bombe also. Frachttransport per Bus ist auch hier unüblich, deshalb frage ich ihn, warum und was er da per Bus durch die Stadt fahren will.

The israeli dream

Das folgende Gespräch verkürze ich mal auf das grundlegende. Von den Philipinen als Pfleger nach Israel gekommen, lebt er schon seit 12 Jahren in Haifa und betreut einen alten Herren. Um sein Gehalt aufzubessern, handelt er in Haifa mit Waren aus philipinischen Supermärkten in Tel Aviv. Ohne Auto ist er auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Mit einer solchen Fracht stelle ich mir die Sicherheitskontrollen an den Bahnhöfen ziemlich seltsam vor...

Ich halte diese Geschichte für erzählenswert, weil viele Einwanderer hier ähnliche Storys zu erzählen haben. Israel ist ein Einwanderungsstaat, aber einfach ist es trotzdem nicht. Auch meine Chefin Jacqui hat sich nach ihrer Einreise aus Brasilien mit putzen über Wasser gehalten. Der Philipine hat übrigens vor, bald in seine Heimat zurückzukehren.

Wort des Monats – Oktober

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Zur kurzen Einordnung: Ich habe mir vorgenommen, jeden Monat ein Wort zu finden, dass mir aus irgendwelchen Gründen gut gefällt. Egal welche Sprache, ob hebräisch, deutsch, englisch oder sonstetwas. Wenn mir ein Wort gefällt, vielleicht weil es einen schönen Klang hat, einen Sachverhalt exakt beschreibt oder ich eine interessante Geschichte dazu gehört habe, verfasse ich dazu einen kurzen Text. So könnt ihr unter der Kategorie "Wort des Monats" mit der Zeit immer mehr Kuriositäten und Fundstücke besichtigen.

Der Hühnergott

Ein Hühnergott ist die Bezeichnung für einen Stein mit Loch. Ich habe weder verstanden warum, noch wieso, seit wann oder in welchem Teil Deutschlands,  aber zumindest in Berlin scheinen einige Leute eine seltsame Bezeichnung für einen "Stein mit Loch" gebraucht zu haben. Vielleicht ist aber auch nur mir dieses Wort bisher entgangen. Ich Simpel habe das bisher einfach "Stein" genannt, kann den Reiz dieses absurden Namens aber nicht verleugnen. Allein bei dem Versuch, die Herkunft dieses Wortes herzuleiten schlägt meine Fantasie Purzelbäume!

Kennengelernt habe ich den Hühnergott auf einem Berghang im Carmelgebirge, dank meiner Mitfreiwilligen Laura. Berlin bringt anscheinend mehrere seltsame Wörter hervor, dieses hat mir aber mit Abstand am besten gefallen. Ein Hoch auf absurde Namen!

Ein Hippie-Camp im Nationalpark

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Dieses Wochenende war ich zusammen mit Laura, einer der Freiwilligen die ich letzte Woche in Kfar Saba besucht habe, im Carmel Nationalpark wandern. Davor fand jedoch von Mittwoch auf Donnerstag ein weiteres Fest statt (Shanah Tova), zu dem mich meine "Ober-Chefin" Silvi zum Essen eingeladen hat.  Mehr dazu und unseren Begegnungen mit Hippies, Hipstern und Hitchhikern in diesem Beitrag!

Shanah Tova first, Nationalpark second!

Shanah Tova markiert das Ende der momentanen Feiertagssaison. An Shanah Tova wird die Tora-Lesung des letzten Jahres beendet, und die Lesung des neuen Jahres begonnen. Aus diesem Anlass wird in den Synagogen getanzt und gefeiert, und wie bei fast jedem Fest ausgiebig gegessen. Silvi, quasi die Chefin meiner Chefs und fantastische Ansprechpartnerin für alle Freiwilligen, hat Claudia, Claudias Vor-Vorgängerin Bettina und mich spontan eingeladen und spontan ein kleines Bankett auf die Beine gestellt. Silvis Mann Igal hat uns von seiner Übernachtung in der Laubhütte nach Sukkot berichtet, und so hatten wir einen sehr schönen Abend.

Wo parken im Nationalpark?

Donnerstagabend, nachdem die Züge wieder rollten, ist Laura dann in Tel Aviv angekommen. Am Freitagmorgen sind wir mit dem Bus zur Universität von Haifa, dem Technion, gefahren. Von dort konnten wir einen ersten Blick auf die Hänge des Nationalparks werfen. Der "Carmel National Park" zieht sich von Haifa durch das ganze Carmelgebirge nach Süden, und besteht größtenteils aus strauchigen Hügeln und bewaldeten Wadis (Schluchten), immer mit Blick auf das Mittelmeer. Nachdem wir einen Weg aus dem Unigelände gefunden hatten, sind wir selbst eingetaucht in das Schluchtengewirr des Parks.

Unser Plan bestand im wesentlichen daraus, irgendwie einen Campingplatz zu finden, und am Samstag dann irgendwie zurück nach Haifa. Obwohl die Wanderwege sehr gut ausgeschildert sind, sucht man eine Übersichtskarte in Israel vergeblich. So haben wir uns mit einer Mischung aus Gefühl und Google Maps zurechtgefunden.

An diesem ersten Tag, in unmittelbarer Nähe zu Haifa, begegneten uns ziemlich häufig andere Wanderer. Insbesondere Pfadfindergruppen waren immer mindestens zu zweit in einem Wadi unterwegs, sodass es meistens etwas weniger still war als erwartet. Die Wege führten uns, teilweise mit kleinen Klettereinlagen, durch mehrere Schluchten in Richtung Beit Oren. Unser Ziel, der Campingplatz, sollte irgendwo in unmittelbarer Nähe dieses ehemaligen Kibbuz liegen.

Mitten in einer sehr engen Schlucht begegnete uns dabei dieses ungewöhnlich geparkte Fahrzeug. Die Schlucht war definitiv zu eng zum Autofahren, wer auch immer diesen Wagen dort hin gesteuert hat, ich hoffe er ist ausgestiegen bevor das Auto abgestürzt ist!

Hippies und Hipster

Am späten Nachmittag erreichten wir den Campingplatz. Dafür das wir ziemlich ohne Vorwissen diesen Ort ausgesucht hatten, haben wir ziemlich Glück gehabt. Das Personal des Platzes bestand größtenteils aus israelischen Freiwilligen. Die ganze Anlage hatte etwas hippiehaftes, unter anderem gab es ökologische Sanitäranlagen (=das Wasser wurde vor Ort wiederverwendet) und kleine Gartenflächen überall. Zum ersten Mal in Israel habe ich den Versuch einer Mülltrennung gesehen! Die Gäste haben das Konzept leider nicht wirklich verstanden, deswegen lag trotzdem auch im Kompost- und Glas-Container Plastik. Israelis sind keine guten Umweltschützer!

Die meisten Gäste waren junge Familien aus Tel Aviv, wohlhabend und hip. Es war ziemlich lustig als mich ein 40-Jähriger, erfolgreicher Architekt mit Kindern fragte, ob Fleisch in den organischen Müll gehört oder nicht doch zum Plastik. Wie gesagt, Israelis und Umwelt ist eine Geschichte für sich. Am Lagerfeuer sorgte unser Alter für Gesprächsstoff, da Israelis erst ihren Militärdienst absolvieren müssen nach der Schule.

Obwohl wir etwas gemütlicher hätten schlafen können, war der Campingplatz ein echter Glücksgriff. Uns wurde sogar angeboten, beim nächsten Mal für etwas Arbeit umsonst dort zelten zu dürfen. Wenn ich das nächste Mal wandern gehe, weiß ich wo ich zelte!

Irrungen, Wirrungen

Da wir am Vortag mit einem guten Zeitpuffer das Camp erreichten, wollten wir auf dem Rückweg einen kleinen Schlenker zu einem Aussichtspunkt machen, von dem Laura gehört hatte. So wanderten wir ein Stück weiter nach Süden auf den Berghängen, und wollten dann vom Aussichtspunkt zum Meer hinab. Leider fanden wir den Aussichtspunkt jedoch nicht. Dafür konnten wir aber auch vom Wanderweg aus einen guten Blick auf das Meer bekommen. In diesem Gebiet standen noch viele verkohlte Bäume, vermutlich vom letzten Waldbrand vor ein paar Jahren. Bei diesem Feuer kamen einige Menschen ums Leben und ein Großteil der Grünflächen brannte ab, große Teile der Flora hatten sich aber bei unserem Besuch schon regeneriert.

Irgendwann gaben wir die Suche nach der Aussichtsplattform auf. Der Weg zum Meer stellte uns vor einige Herausforderungen, und wir sind auf einem Berghang in eine Sackgasse gelaufen und mussten die Strecke zweimal wandern. Schlußendlich standen wir 200 Meter vom Strand entfernt - und zwischen uns eine Bahntrasse ohne Übergang weit und breit. Nach diesem Schlag entschlossen wir uns zur Rückkehr nach Haifa via Tramping (wir waren mittlerweile in bewohntem Gebiet angelangt). Überraschenderweise gabelte uns schon nach fünf Minuten ein Autofahrer auf. Er meinte, wir sähen nicht wie Araber aus, deshalb würden Leute auch anhalten. Außerdem hätten ihm in Deutschland auch Leute geholfen, jetzt wolle er den Gefallen erwiedern.

Während der anstrengenden Wanderung hatten wir irgendwann begonnen, uns mit der Vorstellung von Milchnudeln zu mobilisieren. Glücklicherweise hatte der arabische Supermarkt beim Molada noch auf, und so konnten wir diesen Tagtraum auch umsetzen. So fand unser schöner Ausflug einen passenden Abschluß. Den Carmel Nationalpark kann ich nur empfehlen!

Auf nach Tel Aviv!

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Wie ich bereits subtil angedeutet habe, war mein Plan für dieses Wochenende mein erster größerer Ausflug - Ich habe eine Freiwilligen-WG in Kfar Saba besucht, einem Vorort von Tel Aviv! Von dort aus bin ich dann weiter ins Herz der "Stadt der Jugend" vorgestoßen.

´Tschuu tschuu!!!

Von Mittwoch bis Donnerstag war bei uns ein weiteres Fest, Sukkot. Bei diesem "Laubhüttenfest" bauen die Juden in ihren Gärten in Erinnerung an den Auszug aus Ägypten die namensgebenden Strohunterstände auf. Diese bleiben dort eine Woche, bis zum "Simchat Tora". Dieses Fest erkläre ich euch aber erst, wenn´s soweit ist. In dieser Feiertagssaison kommt man gar nicht mehr hinterher mit seltsamen Bräuchen und gastfreundlichem Essen.

Am Mittwoch habe ich bereits meinen ersten Besucher empfangen. Frederick vom DRK aus Rishon hat bis zum Samstag in meinem Zimmer übernachtet. Eigentlich wollten wir am Mittwochabend noch etwas unternehmen, aber dem armen ging es leider nicht so gut. Natürlich freue ich mich trotzdem immer über Gäste, und Gastfreundschaft zahlt sich schließlich für jeden Freiwilligen aus.

Da an den Feiertagen (mal wieder) wenig los war auf den Straßen, bin ich erst am Donnerstag mit dem ersten Zug nach Kfar Saba gelangt - um 20 Uhr. Abgesehen von den Metalldetektoren und den Ticketpreisen (viel billiger als in Deutschland) unterscheidet sich Zugreisen in Israel nicht allzu sehr von Deutschland. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass die Züge hier das gleiche Modell  wie die REs in Deutschland sind. Gegen 21:30 Uhr bin ich dann bei meinen Mitfreiwilligen in Kfar Saba angekommen.

Unsere barmherzigen Samariter

Meine Gastgeber wohnen zu fünft (hoffentlich habe ich mich nicht verzählt!) auf dem Gelände ihrer Arbeitsstelle in einer Wohnung. Von den WGs die ich bisher zu sehen bekommen habe (bzw. von denen mir erzählt wurde) ist diese definitiv die komfortabelste. Keine zweifelhaften Sanitäranlagen, kein Ungeziefer und sogar reichlich Platz für alle! Dank dem letzten Punkt war ich nicht der einzige Gast. Nick aus Rishon LeZion und Julian aus Jerusalem waren ebenfalls zu Besuch, und so hatten wir eine ziemlich nette Runde. Danke nochmal an unsere lieben Gastgeber, die trotz ihrer Arbeitszeiten gleich drei(!) Gäste gleichzeitig aufgenommen und sogar noch mit Essensresten aus der Einrichtung versorgt haben!

Unsere Gastgeber arbeiten alle in der gleichen  Einrichtung für Autisten, und helfen bei der Betreuung der "Friends". Im Vergleich mit meinen Aufgaben ist die Behindertenbetreuung allerdings etwas actionreicher!

Der Tel Aviv- Standard

Meinen ersten Ausflug nach Tel Aviv habe ich gegen Freitagmittag begonnen. Von der Busstation aus bin ich zuerst auf den Carmel-Markt gestoßen. Damit bin ich der touristischen Standardtour gefolgt. Obwohl der verwinkelte Markt mit seinen vielen Ständen und Schaustellern wirklich sehenswürdig ist, hat mich doch etwas gestört dass ich dort fast mehr Deutsch als Hebräisch gehört habe.

Durch die tunnelartigen Gassen des "Shuk" (Markt) bewegte ich mich auf den Tel Aviver Stadtstrand zu. Der Strand ist genau so cool wie der in Haifa, hat allerdings einen anderen "Vibe" durch seinen urbanen Charakter. Tel Aviv merkt man einfach an das es eine richtige Großstadt ist, kein 200.000 Seelen-Städtchen wie Haifa.

Meine temporäre Heimat ist zwar dank der Universität hier schon sehr jugendlich geprägt, kann jedoch an Hipstertum mit Tel Aviv nicht mithalten. Zufälligerweise war Melanie auch dieses Wochenende in Tel Aviv, und anscheinend fühlt diesen Unterschied nicht nur ich.

Ein außergewöhnlicher Abend!

Am Freitagabend, also zu Beginn des Shabbat (im Judentum beginnt und endet ein Tag Abends),  wird traditionell ein Shabbatmahl veranstaltet. Unverhoffterweise haben die Mitarbeiter der Einrichtung alle Freiwilligen eingeladen, mit ihnen und den Friends draußen in der Laubhütte an diesem Essen teilzunehmen - auch uns Gäste! Nick war schon abgereist, Julian und ich jedoch sind der Einladung gerne gefolgt. Ich als einziger Freiwilliger ohne Erfahrung mit den Friends (Julian hat sogar schon eine Ausbildung in dem Bereich) war vor meinem ersten Kontakt ziemlich nervös. Was, wenn ich einen der Friends aus Versehen aus seiner Routine werfe, oder ich eine geklatscht bekomme (das kommt wohl häufig vor)???

Meine Angst war jedoch unbegründet. Die "Friends" waren alle sehr lieb, und ich fand ihr Verhalten extrem spannend. Meistens sind sie einfach ziemlich kindisch, und das ist ziemlich süß. Die "Worker" waren sehr nett, und unsere "Volunteers" kann man gar nicht genug loben.

Das Shabbat-Mahl zeichnet sich dadurch aus, dass männliche Juden eine Kippa tragen, am Anfang ein Glas "Wein" (Traubensaft) getrunken wird, und sehr leckeres Brot gegessen wird. Daneben gibt es das wie gewohnt gute Feiertagsessen. Wenn die Feiertagssaison nicht bald endet, platze ich irgendwann vor lauter Braten und Humus.

Mein erster Shabbat-Abend zusammen mit den Friends - dass werde ich nicht so schnell vergessen!

Rastafari und das Bahnhofsviertel

Da an Shabbat erst ab 16 Uhr die ersten Busse wieder fahren, habe ich mich am Samstagvormittag dem gepflegten Nichtstun gewidmet. Die Zeit zwischen dem ersten Bus und dem letzten Zug (circa fünf Stunden) habe ich am Abend nochmal in Tel Aviv verbracht. Dank Secret Tel Aviv, der wichtigsten Website für alle Besucher Tel Avivs, habe ich auf dem Rothschild-Boulevard noch eine Reggae-Session besucht.

Schließlich bin ich zu einem der Bahnhöfe Tel Avivs aufgebrochen, um meinen Ausflug zu beenden. Das Viertel um die Gleise hat sich wahnsinnig vertraut angefühlt, und hatte was vom Worringer Platz in Düsseldorf. Bahnhöfe scheinen wirklich überall gleich zu sein, und obwohl es deutlich schickere Gegenden gibt, habe ich doch eine Vorliebe für diese Stadtteile.

Wasser!

Vom Bus habe ich mich in Haifa quasi direkt ins Bett fallen lassen. Mein erster Ausflug hat mir total Spaß gemacht und ich habe sehr viel neues, interessantes gesehen. Müde ist man am Ende dann trotzdem.

Gestern hat es zum ersten Mal geregnet in Haifa. Kälter ist es jedoch noch nicht geworden, das Tropenfeeling hält also an. Ich hoffe, auch meine nächsten Ausflüge werden durch meine sympathischen Mitfreiwilligen und die bloße Faszination Israels genauso fantastisch wie mein erster!

Ein erstes Fazit!

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Seit etwas mehr als einem Monat bin ich jetzt in Israel. Seitdem habe ich eine Menge erlebt, gelernt und geschrieben. Wie ich dieses ganze "Gesamtpaket Israel" finde, was mir erst später aufgefallen ist, was mir gefallen hat und was nicht... Das erfahrt ihr jetzt in meinem ersten Fazit!

Kommt Zeit, kommt Rat

Manche Dinge merkt man erst nach dem ersten Ankunftsschock. Obwohl mir am ersten Tag direkt die amerikanischen Autos aufgefallen sind, habe ich die mentale und soziale Ähnlichkeit zwischen Israel und den USA erst später wirklich wahrgenommen. Israel ist mittlerweile wohl ein größeres Einwanderungsland als das "Mutterland aller Ausgewanderten" selbst. Jeder Israeli, mit dem ich mich über seine Familie unterhalten habe, hat mindestens einen Vorfahren aus jedem Land Europas. Dieser tief verwurzelte Multikulturalismus fällt einem halt erst umfassend ins Auge, wenn man genügend Israelis kennt die einem ihren Familienstammbaum erklären wollen.

Der arabisch-israelische Konflikt hängt mit meiner ersten Beobachtung eng zusammen, und tritt in wahnsinnig vielen Facetten auf. Während Hardliner beider Seiten die bloße Existenz des Gegners leugnen, üben in meiner Kampfschule Araber und Juden miteinander die Abwehr eines Messerangriffs. Alle paar Jahre landen Raketen in Israel und die IDF macht ein paar Siedlungen platt, dazwischen sitze ich mit Arabern und Juden in einer WG und diskutiere über ein Informatik-Studium. Israel ist extrem politisiert durch diesen Konflikt, gleichzeitig leben aber doch irgendwie alle miteinander. Ich sehe etwas mehr, aber ich denke nicht dass ich diese Problematik wirklich verstanden habe oder verstehen kann, und gebe mir alle Mühe mir kein Urteil zu bilden.

Jammern auf hohem Niveau

Pro forma: ein, zwei Kleinigkeiten gefallen mir hier nicht so sehr. Die Begrüßungsfrage "Ma Nischma?" (Wie geht es dir?) ist so formal, dass meistens noch nichtmal die Antwort abgewartet wird, da muss ich mich erst dran gewöhnen. Mir fehlt Lasagne und Hackfleisch. Und ich habe diesen Absatz gerade ausversehen gelöscht, deswegen fällt der Negativ-Teil  noch kürzer aus als geplant!

What a wonderful land...

Mir gefällt hier alles! Wir haben immer noch um die 25 Grad, zum ersten Mal in meinem Leben ein warmer Strand! Ich mag meine Arbeitskollegen und Mitfreiwilligen und Sportlerkumpel und random Leute an der Supermarktkasse, die mit mir plaudern weil sie an meinem Englisch hören dass ich aus Deutschland komme! Ich mag das Feeling der Stadt und die Aussicht vom Carmelberg. Ich mag die Studenten und die Volontäre aus aller Welt! Und ich mag die Katzen und die Internetanbindung!!!

Im Sinne der Inklusion auch in einfacher Sprache: Mir gefällt es hier sehr, sehr gut.

Wohin jetzt?

Mir gefällt mein jetziger Blogstil, unregelmäßig Beiträge zu verfassen, sobald mich etwas interessiert oder mir ins Auge springt. Und da ich mich nun so langsam eingelebt habe, werde ich diesen Monat deutlich mehr unternehmen und zu berichten haben! (Teaser: Diesen Shabbat bin ich in Tel Aviv!) Ich hoffe, das euch meine Berichte gut gefallen haben. Wenn ihr Anregungen oder Kritik habt, lade ich euch ein diesen Monat ebenfalls ein Fazit zu ziehen und nach Herzenslust zu kommentieren!

Danke fürs lesen, und weiter geht´s!